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MI | 11.04.2012
Lager in Lackenbach. (Bild: ORF)
HOLOCAUST
Gedenken an Opfer unter Roma und Sinti
In Lackenbach (Bezirk Oberpullendorf) ist am Samstag der Opfer des Holocaust unter den Roma und Sinti gedacht worden. Man müsse offen darüber reden, was man zu verantworten habe, sagte Bundespräsident Fischer.
Beim Mahnmal
Die traditionelle Gedenkveranstaltung fand beim Mahnmahl für Roma und Sinti in Lackenbach statt. 

Rund 250 Teilnehmer hatten sich versammelt, unter ihnen die Vertreter der Volksgruppen und Kirchen und zahlreiche Vertreter der Bundes- und Landesregierung, an der Spitze Bundespräsident Heinz Fischer (SPÖ).
Anhaltelager
Das Mahnmal erinnert an das ehemalige Anhaltelager Lackenbach, von wo aus Hunderte burgenländische Roma und Sinti in die Vernichtungslager der Nazis geschickt wurden.
Fischer sprach von Fassungslosigkeit
Bundespräsident Fischer sprach angesichts der damaligen Geschehnisse von Fassungslosigkeit. Es sei letztendlich unbegreifbar, "dass Menschen in Europa in der Mitte des 20. Jahrhunderts das wollen und tun konnten, was geschehen ist", sagte Fischer.
Auseinandersetzung gefordert
Man müsse sich bemühen, "nicht wegzuschauen und zu schweigen, sondern offen über das zu reden, was man zu verantworten hat", forderte Fischer eine Auseinandersetzung mit der Geschichte ein.

Man dürfe keinen Schlussstrich ziehen, "weil es Menschen gibt, die betroffen sind, weil es Zeugnisse gibt. Wir können diese Periode des Sich-Auseinandersetzens nicht künstlich verkürzen, wir müssen das durchstehen", sagte Fischer. Es sei wichtig, dass das auch junge Menschen, Schüler machen.
Saközi übte scharfe Kritik
"Dieses Attentat ist in uns nach wie vor lebendig", sagte der Obmann des Kulturvereines Österreichischer Roma, Rudolf Sarközi: "Gedenken und Mahnen muss lebendig bleiben. Wir müssen diese Gedenkkultur an unsere Kinder weitergeben."

Sarközi forderte in seiner Rede erneut einen EU-Kommissar für Minderheiten und übte scharfe Kritik an der Gemeinde Kemeten.
"Es ist eine Schande"
"Die Gemeinde Kemeten mit ihrem Bürgermeister ist kein Vorbild für unsere Jugend, wo es noch immer keine Bereitschaft für eine Gedenktafel gibt. Ich habe gehofft, dass es mehr als 60 Jahre danach endlich eine Gedenktafel für die Roma und Sinti gibt. Ich weiß nicht, was man noch tun soll. Auch so kann man 60 Jahre Ende der Nazi-Diktatur begehen, es ist eine Schande", sagte Sarközi.
Niessl : Gedenken ist zu wenig
"Roma und Sinti waren genauso Opfer wie die europäischen Juden", sagte Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ). Es sei zu wenig, jedes Jahr zusammenzukommen und zu gedenken, er sehe einen klaren Auftrag an die Politik und die Gesellschaft.
"Gegen Unbelehrbare"
"Ich nehme hier einen klaren Auftrag mit, nämlich nicht zu vergessen. Einen Auftrag, auch gegen Unbelehrbare aufzutreten, die die Nazi-Verbrechen relativieren und sie manchmal auch in Abrede stellen", sagte Niessl.
Steindl: Wachsam sein
Man dürfe die Verbrechen gegen die Menschlichkeit nie vergessen, sagte Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl (ÖVP).

Der heutige Tag sei ein Tag im Gedenken gegen Gewalt und Rassismus, alle seien aufgerufen , wachsam gegenüber radikalen Tendenzen sein, so Steindl.
Lager in Lackenbach seit 1940
In Lackenbach betrieb das Nazi-Regime von 1940 bis 1945 ein Zigeunerlager, in dem Roma und Sinti unter menschenverachtenden Bedingungen lebten und Zwangsarbeit leisten mussten.
Zwischenstation
Die Verfolgung der Roma und Sinti im Burgenland begann unmittelbar nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938.

Am 23. November 1940 nahm das Anhaltelager in Lackenbach seinen Betrieb auf und wurde für viele Angehörige der Volksgruppe zu einer Station ihres Leidensweges während der NS-Herrschaft.

Die Menschen wurden in Viehställen ohne jegliche sanitäre Einrichtungen untergebracht, bis zu 200 Menschen waren in einem Raum zusammengepfercht.

Im Jahr 1942 wurde mit der Erweiterung des Lagers begonnen, in dem bis März 1945 hunderte Menschen ums Leben kamen.
Zwischenlager
Für viele der Inhaftierten war das Lager nur eine Zwischenstation vor ihrem Transport in die Vernichtungslager.
3.000 Tote
Ab 1938 wurden Roma und Sinti aus Österreich in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald, Mauthausen und Ravensbrück deportiert.

Am 4. und 7. November 1941 wurden jeweils rund 1.000 Roma aus Lackenbach nach Lodz verbracht. Als die sowjetischen Truppen anrückten, wurde das Lager aufgelöst. Die zurückbleibenden Insassen wurden damals ihrem Schicksal überlassen.

Von 4.000 Menschen, die in Lackenbach inhaftiert waren, fanden mehr als 3.000 den Tod.
Mahnmal 1984 enthüllt
1984 wurde das Lackenbacher Mahnmal für die Roma und Sinti enthüllt. Am 16. Dezember 1993 wurden Roma und Sinti in Österreich als Volksgruppe anerkannt.
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