Burgenland ORF.at
MI | 11.04.2012
Kreuzstadl. (Bild: APA)
NS-OPFER
Massengrab beim Kreuzstadl nun entdeckt?
Beim Kreuzstadl in Rechnitz wurden nun nach Erdbohrungen menschliche Überreste gefunden. 1945 wurden dort jüdische Zwangsarbeiter von den Nazis ermordet, während im Schloss Rechnitz lokale NS-Prominenz feierte.
Lange Suche
Schon länger wurde ein Massengrab bei der Gedenkstätte, dem Kreuzstadl in Rechnitz, vermutet. Bereits in den Jahren 1993 und 1996 waren dort bei Ausgrabungen menschliche Überreste gefunden worden.

Nun könnte die Suche nach dem Massengrab mit den Opfern des Massakers beim Kreuzstadl zu einem Ergebnis geführt haben.
Untersuchungen
Bei Erdbohrungen wurden jetzt wieder Hinweise auf menschliche Überreste entdeckt, die nun genauer untersucht werden. Die Untersuchung soll klären, ob es sich bei den Funden um das Massengrab oder um Überreste gefallener Soldaten handelt.

"Es wurden Leichenspürhunde eingesetzt und man hat herausgefunden, dass es menschliche Überreste sein könnten, das muss aber noch verifiziert werden. Das wird noch weiter untersucht", sagte Ludwig Zwickl von der Abteilung für Gedenkstätten und Kriegsgräber des Innenministeriums. Mit den Ergebnissen sei erst in einigen Wochen zu rechnen. 
Fundort bleibt geheim
Die Bohrungen haben eine Woche lang gedauert. Der genaue Fundort wird nicht verraten.
Ehemaliges Frontgebiet
"Die Akten wurden noch einmal überprüft und man hat herausgefunden, dass man auch an Orten nachsehen könnte, wo man bisher nicht gegraben wurde. Man kann auf keinen Fall sagen, ob das die gesuchten Toten sind", so Zwickl. 

Rechnitz sei gegen Kriegsende Frontgebiet gewesen, es habe auch schwere Kämpfe gegeben. Die Hunde könnten etwa auch auf Überreste von Körperteilen, die von Soldaten stammen, gestoßen sein.
Erschießungen von Zwangsarbeitern
Ob damit nun das Massengrab gefunden wurde, ändert freilich nichts an der Tatsache der Erschießung von rund 200 jüdischen Zwangsarbeitern im März 1945.

Am 24. März 1945 wurden 600 ungarische Juden von Köszeg per Bahn ins Burgenland transportiert, um beim Bau des so genannten Südostwalls eingesetzte zu werden. 200 der Deportierten wurden auf Grund von Krankheit und Erschöpfung zum Bahnhof Rechnitz zurückgebracht.
Morde und Feier
Schließlich wurden damals beim Kreuzstadl rund 180 jüdische Zwangsarbeiter von den Nationalsozialisten ermordet, während im Schloss Battkyany ein so genannter "Kameradschaftsabend" mit lokaler Nazi-Prominenz statt.

In der Zwischenzeit wurden die zurückgelassenen Juden zum Kreuzstadl gebracht, wo sie von einigen Teilnehmern des Festes, an die zuvor Waffen und Munition ausgegeben worden waren, ermordet wurden.

Einen Tag später wurden auch jene Juden getötet, die zuvor die Toten begraben mussten.
Unterschiedliche Angaben von Augenzeugen
Das Massengrab wurde trotz oftmaliger Suche bisher nicht entdeckt, auch weil es mehrere unterschiedliche Angaben von Augenzeugen gibt.
Ganz Österreich
Burgenland News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News