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MI | 11.04.2012
Bühne der Seefestspiele. (Bild: ORF)
KULTUR
Seefestspiele Mörbisch: Langenfass geht
Der Ausstattungsleiter des Theaters in der Josefstadt, Rolf Langenfass, beendet seine Tätigkeit für die Seefestspiele Mörbisch und zieht auch seinen Namen von der diesjährigen Produktion "Der Zigeunerbaron" zurück.
"Roma- und Sintiproblematik ignorierend"
Das geht aus einer der Austria Presse Agentur (APA) übermittelten Erklärung hervor. Als Grund führt er nicht eingehaltene Zusagen, Verletzung von Urheberrechten und seine "Sorge, dass die Aufführung operettenhaft und verharmlosend die Roma- und Sintiproblematik ignorieren könnte", an.
Langenfass hat seinen Namen auch von der kommenden Produktion zurückgezogen.
"Ziehe mich enttäuscht und gekränkt zurück"
"Nach 18 Jahren kontinuierlicher Arbeit ziehe ich mich enttäuscht und gekränkt von den Seefestspielen Mörbisch zurück", so Langenfass.
"Trotz meiner schweren Erkrankung war ich bereit, gegen gewisse Zusagen die Fertigstellung meines Bühnenbildes und der Kostüme zu überwachen."

Zusagen nicht eingehalten
Keine dieser von der Intendanz getätigten Zusagen wurde jedoch eingehalten, so Langenfass. Darüber hinaus wären Urheberrechte verletzt, ein Teil seiner Entwürfe wären künstlerisch entstellt und sein Bühnenbild ohne Absprache oder Einigung an Fremdveranstaltungen weiterverkauft worden. Er habe daher seinen Namen von der kommenden Produktion zurückgezogen.
Aktuelles Bühnenbild des "Zigeunerbaron" (Bild: ORF).
Langenfass kritisiert, dass durch die Operette die Roma- und Sintipolitik verharmlost werden könnte.
"Operette nicht unreflektiert spielen"
"Zudem ist mein politisches Gewissen und meine Sorge, dass die Aufführung (Anm.: Der Zigeunerbaron) operettenhaft und verharmlosend die Roma- und Sintiproblematik ignorieren könnte, durch diesen Schritt erleichtert", so Langenfass weiter.

"Ich finde, dass man nach dem beklagenswerten Rechtsruck im Pannonischen Raum und den entsetzlichen Vorfällen, die sich gegen Roma und Sinti gerichtet haben und weiter richten, besonders im Burgenland diese Operette nicht unreflektiert spielen darf."
"Ich glaube nicht, dass er hier im Recht ist", so Geschäftsführer Posteiner.
Posteiner weist Kritik zurück
Die Seefestspiele Mörbisch weisen die Kritik von Bühnenbildner Rolf Langenfass zurück, wonach Zusagen an ihn nicht eingehalten und Urheberrechte verletzt worden seien.

"Ich glaube, dass er hier nicht im Recht ist. Wir haben einen Vertrag mit ihm. Darin ist auch festgehalten, was wir mit seinem Werk, sprich mit dem Bühnenbild, tun dürfen", sagte Seefestspiele-Geschäftsführer Dietmar Posteiner.
"Spielen nicht in seinem Bühnenbild"
"Es gibt einen eindeutigen Vertragspassus, worin festgehalten ist, dass er sämtliche Urheber- und Leistungsschutzrechte an uns überträgt. Auch die Vermietung ist darin festgehalten", so der Geschäftsführer.

"Wir spielen auch nicht in seinem Bühnenbild", meinte Posteiner. Für Konzerte werde eine separate Bühnenkonstruktion aufgestellt. Das Militärmusikfestival vor zwei Jahren sei dabei die einzige Ausnahme gewesen.
"Wir wollen das Stück nicht in eine politische Diskussion bringen", sagt Serafin.
Serafin betroffen
Mörbisch-Intendant Harald Serafin zeigte sich über Rolf Langenfass' Kritik betroffen: "Wir sind unglaublich traurig darüber, dass wir diesen Mann im 19. Jahr verlieren."

Langenfass habe bisher "die schönsten Bilder" gehabt, so Serafin. Zur von Langenfass ausgedrückten Sorge, die Aufführung von "Der Zigeunerbaron" könne die Probleme der Roma und Sinti verharmlosen, meinte der Intendant: "Es ist nicht in unserem Sinne, eine politische Tendenz durch eine moderne Regie hineinzubringen."

Man wolle das Stück auch nicht in eine politische Diskussion bringen - weder parteipolitisch noch ethnisch. Für ihn sei wichtig, festzustellen, "dass wir Operette spielen und nicht eine politische Aussage".
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