Burgenland ORF.at
MI | 11.04.2012
Hans Lukits und Josef Münzenrieder (Bild: ORF)
WIRTSCHAFT
BEWAG: Lukits und Münzenrieder gehen
In der BEWAG-Aufsichtsratssitzung am Montag wurde die einvernehmliche Vereinbarung getroffen, dass Hans Lukits und Josef Münzenrieder das Unternehmen vorzeitig, per Ende 2010, verlassen werden.
Einvernehmliche Auflösung
In der Aufsichtsratssitzung am Montagnachmittag trafen Aufsichtsratschef Josef Kaltenbacher und sein Stellvertreter Leopold Buchmayer einvernehmlich mit den Vorständen Hans Lukits und Josef Münzenrieder die Vereinbarung, dass die Vorstandsmandate per Ende 2010 aufgelöst werden. Die Vorstandsverträge wären ursprünglich bis 2012 gelaufen.
"Es gab Auffassungsunterschiede"
"Es gab bekannterweise seit einiger Zeit Auffassungsunterschiede zwischen dem Vorstand, dem Aufsichtsrat und den Eigentümern.

Auf der anderen Seite auch unterschiedliche Auffassungen betreffend Zukunft der BEWAG, Sparmaßnahmen, Beteiligungen im In- und Ausland, Windkrafträder im In- und Ausland", so Josef Kaltenbacher über die Auflösung der Vorstandsmandate.

Konfliktpunkte waren die Gewinnerwartungen und die Höhe der Dividende. Unterschiedlicher Meinung war man auch was die langfristige Strategie der BEWAG anbelangt.
Die Posten werden morgen ausgeschrieben.
Vom gesamten Aufsichtsrat bestätigt
Diese Entscheidung wurde vom gesamten Aufsichtsrat bestätigt. Die Posten werden morgen ausgeschrieben und sollen noch im Dezember neu besetzt werden.

"Wenn die Bewerbungen eingelangt sind, werden wir diese raschestmöglich bearbeiten und meinen, dass wir noch im Dezember eine Aufsichtsratssitzung abhalten werden, wo es einen Beschluss betreffend eines neuen Vorstands geben wird", so Kaltenbacher.
Stillschweigen über Details
Die bisherigen Vorstandsmitglieder stehen einige Zeit als Konsulenten zur Verfügung, hieß es seitens der BEWAG. Über Details, etwa die Höhe der Abfindung, sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es.
Budget neuerlich abgelehnt
Das BEWAG-Budget für das nächste Jahr wurde heute dem Vernehmen nach vom Aufsichtsrat bereits zum dritten Mal abgelehnt. Darum wird sich dann der neue Vorstand kümmern müssen. Als Vorstand der BEWAG verdient man rund 250.000 Euro brutto pro Jahr.
Verhältnisse
Das Land Burgenland hält über die Burgenländische Landesholding einen Anteil von 51 Prozent am Energieversorger. 49 Prozent sind im Besitz der börsenotierten Burgenland Holding AG, an der die EVN als Hauptaktionär sowie der Verbund und die Wiener Stadtwerke beteiligt sind.
Streng nach Proporz
Der BEWAG-Vorstand war bislang immer streng nach dem Proporz besetzt.

So gelten die bisherigen Vorstände Eugen Horvath, Josef Pratl, Werner Kasztler, Anton Schubaschitz und Hans Lukits als Rote.

Die Schwarzen Pendants dazu waren Hans Tschank, Günter Ofner und zuletzt eben Josef Münzenrieder.
Mögliche Nachfolger auf SPÖ-Seite
Als mögliche Nachfolger werden am Montag bereits gerüchteweise Namen genannt. Und zwar auf SPÖ-Seite:

Bank Austria-Landesdirektor Michael Gerbavsits, der dazu nichts sagen will. Becom-Chef Franz Klein, der Ambitionen dementiert und BEWAG-Mitarbeiter Johann Teuschler, der ebenfalls keinen Kommentar abgibt.
Mögliche Nachfolger auf ÖVP-Seite
Auf ÖVP-Seite im Gespräch sind Esterházy-Forstdirektor Hans Peter Weiss, der nicht erreichbar war. Der ehemalige Raiffeisenbank- und jetzige BEWAG-Aufsichtsrats-Vizechef Leopold Buchmayer, der dazu nichts sagt.

Weiters der ehemalige BEWAG-Vorstand Günther Ofner, der nicht erreichbar war, sowie sein ehemaliger Vorstandsassistent Wilfried Drexler, der sich interessiert zeigt und erklärt, er werde sich bewerben und fühle sich der Aufgabe gewachsen.

Und nicht zuletzt WIFI-Kurator Josef Wiesler, der aber sagt, er werde sich sicher nicht bewerben.
Bieler und Steindl
Eher unrealistische Gerüchte handeln als künftige BEWAG-Vorstände auch Landesrat Helmut Bieler (SPÖ), der jedoch jegliche Ambitionen klar dementiert und Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl (ÖVP), der für eine Stellungnahme diesbezüglich nicht erreichbar war.
Reaktionen
Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) wollte sich zum vorzeitigen Abgang der beiden BEWAG-Vorstände nicht äußern. Die BEWAG sei eine AG, man könne nicht dem Aufsichtsrat vorgreifen, hieß es aus dem Büro des Landeshauptmannes.

Für ÖVP-Chef Franz Steindl kommt die Auflösung der beiden Vorstandsverträge nicht überraschend. Er forderte, dass in der BEWAG Geschäftsführung ein nahtloser Übergang gefunden und weiterhin eine sichere Stromversorgung garantiert wird.

Johann Tschürtz (FPÖ) fordert nach der Auflösung, "die Gunst der Stunde zu nutzen, um die BEWAG endlich zu entpolitisieren". Es bestehe die Gefahr, dass SPÖ und ÖVP nun reine Befehlsempfänger in der BEWAG installieren würden, die das Unternehmen bis zum bitteren Ende ausbluten lassen würden, so Tschürtz in einer Aussendung.

Michel Reimon, Landessprecher der Grünen Burgenland, meint, dass SPÖ und ÖVP sich davon verabschieden sollen, die BEWAG als ihr Parteieigentum zu betrachten. Außerdem kritisiert Reimon die Heimlichtuerei bei der Abfertigung. Wer öffentliche Gelder bekomme, solle darüber auch öffentlich Rechenschaft ablegen, so Reimon.
Ganz Österreich
Burgenland News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News