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MI | 11.04.2012
Muslimische Frau mit Kopftuch (Bild: APA)
BAD TATZMANNSDORF
Kopftuch: Aufregung über muslimische Ärztin
Eine muslimische Ärztin hat einen Job bei der Kurbad Tatzmannsdorf AG nicht bekommen, weil sie sich weigerte, bei der Arbeit auf das Kopftuch zu verzichten. Die Frau ging vor Gericht. Die Entschädigung wurde noch vor dem Urteil gezahlt.
Gute Gespräche, drei Einwände
Im Frühling 2008 hatte sich die Burgenländerin um eine Stelle als Kurärztin bei der Kurbad Tatzmannsdorf AG beworben. Die Gespräche verliefen laut den Aussagen der Frau gut, es gab nur ein Problem: Die Ärztin ist Muslima und trägt ein Kopftuch.

Der Direktor der Kurbad Tatzmannsdorf AG, Rudolf Luipersbeck, habe drei Einwände gegen das Kopftuch genannt, so die Ärztin, die ihren Namen nicht nennen wollte.
Vorschriften, Gäste und Prinzipien
"Ich müsste mich an die Bekleidungsvorschriften - weiße Hose und weißer Mantel - halten. Da habe ich gesagt, damit habe ich kein Problem; ich habe bisher auch in Weiß gearbeitet. Zweiter Punkt: da hat er genannt 'Gästepotenzial von gestern', da würde es zu Dikussionen kommen; diese wolle er vermeiden. Der dritte Punkt war: Zu seinen Prinzipien gehört, dass Frauen bei ihm nicht mit Kopftuch arbeiten dürfen", so die Frau.
Wegen Diskriminierung geklagt
Die Ärztin wollte aber nicht auf das Kopftuch verzichten. Sie informierte sich bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft über die Rechtslage und ging wegen Diskriminierung vor Gericht.
Entschädigung von 4.500 Euro bezahlt
Noch bevor es zu einem Urteil kommen konnte, zahlte die Kurbad Tatzmannsdorf AG die geforderte Entschädigung von 4.500 Euro.
"Religion ist Teil meiner Persönlichkeit"
Auf die Frage, warum sie eher auf einen Job als auf das Kopftuch verzichtet, antwortete die Ärztin: "Die Religion ist Teil meiner Persönlichkeit. Es war meine freie Entscheidung, das Kopftuch zu tragen. Und ich will, dass diese meine persönliche Entscheidung von meiner Umwelt akzeptiert wird. Es gibt keinen Grund, zu verlangen, dass ich das Kopftuch für diese Art der Tätigkeit ablege."
Luipersbeck sagte nur: Ihn stimme die Angelegenheit traurig.
Kurbad AG: Vorgeschriebene Dienstkleidung
Die Kurbad Tatzmannsdorf AG wollte zu diesem Fall keine Stellung nehmen. Es habe ein Gerichtsverfahren gegeben und da sei alles vorgebracht worden, hieß es.

Direktor Luipersbeck sagte nur soviel: Ihn stimme die ganze Angelegenheit traurig, es habe das Angebot an die Frau gegeben, mit der vorgeschriebenen Dienstbekleidung für Ärzte, bei der keine Kopfbedeckung vorgesehen ist, zu arbeiten.
Keinen ausjudizierten Fall
Bis jetzt gibt es laut Auskunft der Gleichbehandlungsanwaltschaft in Österreich noch keinen ausjudizierten Fall zum Thema Kopftuchverbot. Oft kommt es zu einem außergerichtlichen Vergleich - auch deshalb weil die langen Gerichtsverfahren für die Betroffenen eine starke Belastung darstellen, hieß es von der Gleichbehandlungsanwaltschaft.
Ärztin arbeitet nun mit Kopftuch
Mittlerweile arbeitet die Ärztin im AKH Wien - mit Kopftuch.
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