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MI | 11.04.2012
Kreuzstadel (Bild: ORF)
GESCHICHTE
Rechnitz 1945: Suche nach Grab geht weiter
Der Mord an rund 200 jüdischen Zwangsarbeitern in Rechnitz 1945 ist Thema eines Symposiums in Eisenstadt. Mit dabei war der umstrittene Autor David Litchfield. Fest steht: Die Suche nach dem Massengrab geht weiter.
Im März 1945 wurden in Rechnitz 200 jüdische Zwangsarbeiter von den Nazis ermordet. Die Mörder waren Gäste eines Festes im Schloss.
Massengrab bis heute unentdeckt
Beim Symposium am Donnerstag im Landesmuseum Eisenstadt diskutierten Wissenschaftler unter anderem die Frage, warum das Massengrab von Rechnitz (Bezirk Oberwart) bis heute nicht gefunden wurde.

Emotionaler Zwischenruf
Schon am Vormittag belebte der umstrittene Autor David Litchfield die Diskussion durch einen emotionalen Zwischenruf.

Er ist überzeugt, fast besessen, von seiner These, dass Margit Thyssen-Batthyany, Schlosherrin von Rechnitz, eine wichtige Rolle beim Massenmord von Rechnitz gespielt habe.
"Sie ist verantwortlich"
"Sie hat der SS die ganze Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Sie hat das Fest im Schloss veranstaltet, nicht ihr Gatte. Sie ist hochgradig verantwortlich für das, was in dieser Nacht geschah", so Litchfield.
Umstrittene Thesen
Unter Historikern sind Litchfields Thesen gelinde gesagt höchst umstritten. Belege für seine Behauptungen legte er beim Symposium nicht vor.

Eklat bei Pressekonferenz
Zu einem Eklat kam es am Nachmittag bei der Präsentation des Litchfield-Buches, das nun auf Deutsch erschienen ist.

Litchfield warf einige Kritiker, Aktivisten der Rechnitzer Initiative REFUGIUS, kurzerhand aus der Pressekonferenz - mit dem Argument, sie seien keine Journalisten und daher nicht willkommen.

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Suche nach Massengrab geht weiter
Abgesehen davon bot das Symposium einen guten Überblick über den Stand der Forschungen zu Rechnitz. Barbara Schätz vom Innenministerium stellte klar, dass die Suche nach dem Massengrab weitergeht.

Einer ihrer Mitarbeiter - ein Historiker - sei mit der historisch wissenschaftlichen Aufarbeitung des Falles Rechnitz betraut, so Schätz.
Reden und forschen
"Und zwar unter Zuhilfenahme aller bisherigen bekannten Protokolle, Aktenvermerke, Unterlagen, Zeugenaussagen, die es bereits gibt. Er wird mit allen Personen reden, die Hinweise haben, die engagiert sind - sehr viele Privatpersonen - und vor allem, was wir zum ersten Mal machen, ist, die Archive absuchen", so Schätz.
Wunsch nach Klärung
Organisiert wurde das Symposium vom Innenministerium, von Refugius und vom Land. Die hohe Landespolitik hatte sich bisher nicht wirklich um dieses Thema gekümmert, das scheint sich nun zu ändern.

Kulturlandesrat Helmut Bieler (SPÖ) sagte, die Ereignisse von Rechnitz sollten aufgeklärt und nicht unter den Teppich gekehrt werden.
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