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MI | 11.04.2012
Fred Sinowatz. (Bild: APA)
PORTRÄT
Fred Sinowatz verstorben
Der sozialdemokratische Altbundeskanzler Fred Sinowatz ist tot. Er erlag am Montag im Alter von 79 Jahren einer Krankheit. Von 1983 bis 1986 war er Bundeskanzler. Oftmals zitiert wird sein Ausspruch: "Es ist alles sehr kompliziert."
Als Zeichen der Trauer über das Ableben von Fred Sinowatz wurden Hofburg, Bundeskanzleramt und Parlament in Wien und das Landhaus in Eisenstadt schwarz beflaggt.
Arbeiterkind aus Neufeld
Fred Sinowatz wurde am 5. Februar 1929 in Neufeld an der Leitha geboren. Sein Vater war Schlosser, die Mutter Näherin in Neufeld.
Helmut Zilk (r.), Fred Sinowatz (m.) und Rudolf Kirchschlaeger (l.) (Bild: APA)
Ende mit Waldheim
Das Ende der politischen Laufbahn von Fred Sinowatz wurde 1986 mit der Wahl Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten eingeläutet. Am 9. Juni, einen Tag nach dem Urnengang, bei dem der SPÖ-Kandidat Kurt Steyrer unterlegen war, übergab Sinowatz die Kanzlerschaft an Franz Vranitzky.

Der Grund für den Rücktritt sei aber nicht allein die Wahlniederlage der SPÖ gewesen, sagte Sinowatz Jahre später. Vielmehr habe er einen Wechsel für notwendig erachtet: Die achtziger Jahre seien "Jahre des Übergangs" gewesen, es sei notwendig gewesen, eine "neue politische Linie, mehr dem Zeitgeist entsprechend," zu finden.
Fred Sinowatz mit Franz Vranitzky und Norbert Steeger. (Bild: ORF)
Schaffung von Chancengleichheit
Während seiner Amtszeit als Unterrichtsminister hatte sich Sinowatz Verdienste bei der Schaffung von Chancengleichheit, der Demokratisierung der Schule und beim Ausbau eines liberalen Geistes-und Kulturklimas erworben.

In der Bildungspolitik war es für Sinowatz "schon aufregend, dass es uns gelungen ist, alle sozialen Schranken, etwa beim Zugang zu den Schulen, wegzuräumen".

Als sozial engagierter Unterrichtsminister hatte Sinowatz die Gratis-Schulbuchaktion und die Schülerfreifahrten eingeführt.
Kanzlerschaft mit vielen Problemen
Im Gegensatz zu seinem Wirken als Unterrichtsminister standen Sinowatz' Jahre als Regierungschef dagegen unter keinem guten Stern.

Die Koalition mit der FPÖ war eine ungeliebte, dazu kamen zusätzliche Belastungsproben: die Konfrontation rund um das geplante Donaukraftwerk bei Hainburg, der Weinskandal, der immer weiter schwelende Konflikt Kreisky-Androsch, der berühmt-berüchtigte Händedruck Frischenschlager/Reder, die Intertrading Affäre und schließlich der Präsidentschaftswahlkampf 1986.
Kanzler mit Imageproblemen
International vergleichsweise gute Wirtschaftsdaten, der erste Teil der Pensionsreform, die begonnene Budgetkonsolidierung und der - letztlich gescheiterte - Versuch einer Verstaatlichten-Reform konnten an dieser ungünstigen Optik für Sinowatz nichts Wesentliches ändern.

"Klassisch" gewordene Sinowatz-Zitate wie "Ohne die Partei bin ich nichts" oder "Es ist alles sehr kompliziert" waren einem Image als durchschlagskräftiger "Macher" ebenfalls nicht förderlich.
Causa Waldheim & Sinowatz
Der Präsidentschaftswahlkampf 1986 überschattete das Leben von Sinowatz über seine politische Karriere hinaus: Er wurde in der Causa "Waldheims braune Vergangenheit" rechtskräftig verurteilt.
Auslöser war Sinowatz selbst
Den ersten Prozess in der Causa Waldheim strengte Fred Sinowatz selbst an - und zwar gegen den damaligen "profil"-Journalisten Alfred Worm. Dieser hatte geschrieben, dass Sinowatz in einer Sitzung des burgenländischen SP-Vorstandes im Oktober 1985 von der "braunen Vergangenheit" des damaligen Präsidentschaftskandidaten Kurt Waldheim gesprochen habe.

Dieses Verfahren wurde mit einer "Ehrenerklärung" Worms im April 1988 abgeschlossen. Nachdem Worm damit freigesprochen war, wurde aber die Staatsanwaltschaft aktiv: Wegen falscher Zeugenaussage wurde Sinowatz - rechtskräftig seit Juni 1992 - zu einer Geldstrafe von 360.000 Schilling verurteilt.

In der Folge erhielten sieben weitere burgenländische SP-Politiker, die ausschlossen, dass die "Waldheim"-Äußerung gefallen sei, Geldstrafen.
Rudolf Kirchschläger und Fred Sinowatz. (Bild: APA)
Freispruch im Noricum-Prozess
Im Noricum-Politikerprozess war Fred Sinowatz ebenfalls angeklagt. In dieser Causa wurde der Burgenländer aber freigesprochen.
Tief getroffen
Sinowatz war von der Noricum-Anklage gegen ihn, Ex-Außenminister Leopold Gratz und Ex-Innenminister Karl Blecha tief getroffen. Der Vorwurf, er habe im Zusammenhang mit den Waffenlieferungen der Firma Noricum in den Iran sein Amt missbraucht, die Neutralität gefährdet und damit Österreich vorsätzlich geschadet, hat Sinowatz nach eigenen Worten "fertig gemacht".

Über den einstimmigen Freispruch der Geschworenen im Juni 1993 und seine Rehabilitierung war Sinowatz auch dementsprechend erleichtert, konnte sich aber wegen einer schweren Erkrankung nicht ungetrübt freuen.
Franz Vranitzky und Fred sinowatz. (Bild: APA)
Der Witwer hinterlässt eine Tochter und einen Sohn.
"Viel gelernt"
Später bezeichnete Fred Sinowatz die Prozesse als Ereignisse, die schwierig gewesen seien: "Aber auch das möchte ich nicht missen, auch da habe ich viel gelernt."

Bis zu seinem Tod lebte Fred Sinowatz zurückgezogen in Neufeld an der Leitha.

Die Politik verfolgte er nur mehr "aus der Distanz des Pensionisten". In die Tagespolitik wollte er sich nicht mehr einmischen: "Das entspricht meinem Prinzip, dass ich die aktuelle Politik ausklammere", sagte Sinowatz zu seinem 70. Geburtstag vor neun Jahren.

Der Witwer hinterlässt eine Tochter und einen Sohn.
Sondersendung in memoriam Fred Sinowatz
Mahlzeit Burgenland steht am Dienstag ganz im Zeichen des verstorbenen Altbundeskanzlers Fred Sinowatz. Zu hören sind Ausschnitte aus Interviews und Geschichten aus dem Leben des Altbundeskanzlers. Die Sondersendung beginnt um 11.00 Uhr bei Radio Burgenland.
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