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MI | 11.04.2012
Karte zeigt Unagrisch Bieling (Bild: B. Gerger)
GESCHICHTE
Ungarisch Bieling: Das verschwundene Dorf
Es war einst ein kleines Bauerndorf, heute ist es verschwunden: Ungarisch Bieling. Das Dorf an der Staatsgrenze wurde vor 60 Jahren ausgelöscht. 1948 wurde der Eiserne Vorhang mitten durch das Dorf errichtet.
Bewohner wurden abgesiedelt
Bis vor 60 Jahren lag der Grenzort in unmittelbarer Nähe zu Deutsch Bieling und Hagensdorf. 1948 kam das Ende für das Dorf. Die Bewohner wurden abgesiedelt oder zogen freiwillig in andere Ortschaften.

Dabei spielte die geografische Lage des Ortes eine entscheidende Rolle.
Karte (Bild: B. Gerger)
Zehn Häuser, eine Mühle, ein Gasthaus
Ungarisch Bieling war eine kleine Ortschaft. Kaum mehr als zehn Häuser schlossen sich Ende des 19. Jahrhunderts zum Dorfverband zusammen. Eine Mühle gab es dort und ein Dorfwirtshaus mit einer Kegelbahn.

Das Gewerbeverzeichnis von 1870 gibt Auskunft, dass es fünf Beschäftigte in der Mühle gab, außerdem einen Schneider, einen Wirt, einen Hirten und drei Weber.

Quellen: Volksbildungswerk für das Burgenland - Monika Doktor: Nur zehn Häuser, aber zehn Schicksale, die Zerstörung des Grenzortes Ungarisch Bieling; Gemeinde Heiligenbrunn: Chronik zur 800 Jahrfeier (1198-1998) von Heiligenbrunn, Heiligenbrunn 1998.
Erste Trennung 1921
1921 wurden die Ortschaften Hagensdorf, Deutsch Bieling und zwei Jahre später auch
Luising zu österreichischen Gemeinden, während Ungarisch Bieling, direkt an der Grenze
gelegen, bei Ungarn blieb.

Der Anschluss an den ungarischen Staat änderte aber nichts daran, dass die Einwohner des Ortes zur Pfarrgemeinde Hagensdorf gehörten. Die Mühle, nun auf ungarischem Boden gelegen, durfte von den Österreichern mitbenutzt werden.
Viele Häuser wurden geschleift.
Ende im Jahr 1948
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahte das Ende für das Dorf. Denn der Eiserne Vorhang wurde hochgezogen. Die Ungarisch Bielinger wurden abgesiedelt oder zogen freiwillig über die Grenze und siedelten sich in den nahen burgenländischen Dörfern - zum Beispiel auch in der Nachbargemeinde Heiligenbrunn - an.

Die Häuser wurden größtenteils geschleift, das Dorf aufgelassen.
Überreste der Anlage (Bild: B. Gerger)
Es gibt nur noch wenige steinerne Zeugen.
Überwachsene Zeugen aus Stein
Heute sind nur noch die überwachsenen Reste der Mühlenwehranlage zu sehen. Sie sind die einzigen Zeugen des verschwundenen Dorfes. Der Friedhof ist komplett verfallen, nur ein Kreuz ragt noch in den Himmel.

Der Naturpark Weinidylle hat das Dorf und seine Geschichte nun wieder im Rahmen eines Folders aufleben lassen.
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