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MI | 11.04.2012
Heinz Christian Strache umarmt Johann Tschürtz. (Bild: ORF)
Knalleffekt
Rauter zieht zurück, Tschürtz bleibt Chef
Johann Tschürtz bleibt FPÖ-Parteichef. Wolfgang Rauter zog nach einer halbstündigen emotionalen Rede beim FPÖ-Sonderparteitag in Eisenstadt am Dienstagabend seine Kandidatur in letzter Sekunde zurück.
Keine Kampfabstimmung
Der mit Spannung erwartete Sonderparteitag der FPÖ Burgenland endete mit einem Knalleffekt. Nach vier Stunden zum Teil heftig ausgetragener Wortgefechte pro und kontra Tschürtz beziehungsweise Rauter zog der Herausforderer Rauter seine Kandidatur zurück.
Rauter geht. (Bild: ORF)
Rauter: Bin bei Einigung gescheitert
Rauters Argumentation: Nach all dem, was er beim Parteitag gehört habe, wolle er mit Personen wie Tschürtz und Benkö nicht weiter zusammenarbeiten.

Er sei der Einigungskandidat gewesen, so Rauter und habe den Streit zwischen dem Kölly-Lager und dem Tschürtz-Lager in der FPÖ einen wollen. Aber beim Sonderparteitag habe er gesehen, dass die Gräben in Wahrheit immer tiefer werden und er in seinem Bemühen, eine Einigung herbeizuführen, gescheitert sei, sagte Rauter.
Delegierte verlassen Saal. (Bild: ORF)
Tschürtz mit 65 Stimmen gewählt
Tschürtz wurde dann in offener Abstimmung als einziger Kandidat mit 65 von 68 Stimmen in seiner Funktion bestätigt. Die restlichen Delegierten hatten den Saal nach Rauters Rückzug verlassen. Insgesamt wären 96 Delegierte wahlberechtigt gewesen.
Johann Tschürtz. (Bild: ORF)
Tschürtz: Reiche Rauter die Hand
Nach dem Rückzug Rauters und seiner eigenen Wahl meinte Tschürtz, man hätte sich den Sonderparteitag sparen können. Er reiche Wolfgang Rauter aber trotzdem die Hand und werde versuchen, in den nächsten Tagen ein Gespräch mit ihm zu führen, so der neue alte FPÖ-Obmann.
Öffentliche Schmutzwäsche
Vor den Augen der Medien zeichneten die FPÖ-Funktionäre beim Sonderparteitag in ihren zahlreichen Debattenbeiträgen ein Sittenbild der Partei: Alte Rechnungen wurden beglichen und Gräben aufgerissen. FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache hielt eine Brandrede für Tschürtz.

Tschürtz selbst meinte in seiner Rede: Jede Wortmeldung sei eine Visitenkarte der Partei. Auf dieser Visitenkarte wimmle es nur so von Begriffen wie Verrat, Lüge, Intrige, Packelei, Sturz und Absturz, Macht und Ohnmacht. Von den politischen Zielen der FPÖ war so gut wie nichts zu hören.
Bundesparteiobmann Hans Christian Strache. (Bild: ORF)
Tschürtz: "Habe nur einen Fehler gemacht"
Johann Tschürtz betonte mehrmals, dass er immer den "Weg der Geradlinigkeit" gegangen sei, dass er die durch die BZÖ-Abspaltung gebeutelte Partei zurück in den Landtag geführt habe und dass es mit der FPÖ wieder aufwärts gehe, seit er an der Spitze stehe.

Zu Manfred Kölly, der ja nach Auffliegen des Geheimpaktes mit der SPÖ aus der Partei ausgeschlossen wurde, sagte Tschürtz: "Ich habe nur einen Fehler gemacht, nämlich dass ich Kölly nicht sofort nach der Landtagswahl ausgeschlossen habe".
Rauter hielt letzte Rede
Als letzter Redner erklärte der Richter und Ex-Parteichef Rauter, warum er ursprünglich zurück an die Parteispitze wollte.
Wolfgang Rauter. (Bild: ORF)
Vorwürfe gegen Tschürtz
In seiner emotionalen Rede zog Rauter eine Bilanz der "Fehler", die sein Kontrahent Tschürtz seit dem Jahr 2000 - dem Jahr, in dem Rauter zu Gunsten von Tschürtz aus dem Landtag ausschied - gemacht habe: von der falschen Auswahl von Kandidaten und Abgeordneten über die FPÖ-Zustimmung zum Verkauf der Bank Burgenland an Mirko Kovats bis zum Verhalten rund um den umstrittenen Geheimpakt mit der SPÖ.

Er wolle persönlich nichts von der Partei - möchte sie aber als Obmann wieder einen, appellierte Rauter.
Mit Rückzug Rede beendet
Nachdem Wolfgang Rauter seine Rede wie geplant gehalten hatte, erklärte er dann völlig überraschend, dass er seine Kandidatur zurückzieht.
Reaktionen:
Der Streit in der FPÖ gehe munter weiter, sagte SPÖ-Landesgeschäftsführer Georg Pehm in einer ersten Reaktion. Die FPÖ bleibe tief gespalten, von ihr sei keine Sacharbeit für die Burgenländer zu erwarten, so Pehm.

ÖVP-Landesgeschäftsführer Dietmar Halper sieht die Krise der Blauen nicht gelöst, sondern eine Runde weiter. Nach dem Auffliegen des rot-blauen Postenschacher-Pakets und dem gestrigen Auflösungsparteitag habe die FPÖ ihren Anspruch als Kontrollpartei endgültig verspielt, sagte Halper.

Das Bild, das die FPÖ bei ihrem Sonderparteitag abgeliefert habe, sei das eines zerstrittenen Haufens gewesen, sagte der burgenländische BZÖ-Chef Karl Schweitzer. Es sei verantwortungslos, was die Rest-FPÖ als Oppositionspartei zum Gaudium von Rot und Schwarz abliefere.

Die FPÖ habe ihren Kontroll-Anspruch und ihre Glaubwürdigkeit endgültig verspielt, sagte der Landessprecher der Grünen Josko Vlasich.
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