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MI | 21.03 | 16:34
Nachschlagen im neuen Buch. (Bild: ORF)
Sprachkurs
Sprechen Sie Burgenländisch?
Vom Abuat über den unbekannten Ort Dripsdrü, vom Adaraxl bis zum Mülirahmstrudl - Burgenländisch will gelernt und verstanden sein. Am Anfang der linguistischen Spurensuche steht natürlich die Frage: Wie sprechen die Burgenländer? Jetzt hat sich ein neues Wörterbüchlein dieser Frage und ihrer Beantwortung angenommen. Für alle, die ganz sicher sein wollen beim Sprechen zwischen Kittsee und Kalch, gibt es hier einen kleinen Sprachkurs in Burgenländisch von A bis Z.
Burgenländische Zunge
Das Wörterbuch "Sprechen Sie Burgenländisch? widmet sich den Eigenarten und Besonderheiten der burgenländischen Zunge. Wie den Burgenländern der Schnabel gewachsen ist, dem geht das Buch nach - und gibt im Vorwort schon eine Antwort: im Norden anders als im Süden.
Das Nachschlagewerk. (Bild: ORF)
"Ummi" oder "umma"?
Wenn Burgenländer mit Burgenländerin redet - und umgekehrt - dann kann es schon passieren, dass man die Ohren ganz besonders spitzen muss, will man denn verstehen, wovon die Rede ist. Wer "ummi" gehen soll, muss wissen, wo´s lang geht, wer "umma" gerufen wird, sollte sich auskennen.
Ganz selbstverständlich
Manche Begriffe geistern durch die Hochglanzseiten der Fremdenverkehrsbroschüren - oft auch in gar abenteuerlichen Schreibweisen. Aber ob "Fiata" oder "Mülirahmstrudel", "Lekwa" oder "Grumpirnstrudel" - die Burgenländer, junge wie ältere, verwenden diese Worte nach wie vor ganz selbstverständlich.
Mädchen probiert "Fiata". (Bild: ORF)
"Fiata"
"Fiata" und "Astrachan"
Der "Fiata", ein Vortuch, war und ist die Arbeitsschürze der burgenländischen Bauern - und der "Astrachan" war und ist selten aber doch noch eine Kopfbedeckung.
"Astrachan".(Bild: ORF)
Schlag nach im Wörterbüchlein
Damit sich auch der Nicht-Burgenländer sprachtechnisch im Landes auskennt, gibt es jetzt Hilfe zwischen zwei Buchdeckeln. In dem Büchlein "Sprechen Sie Burgenländisch?" sind die gefragten Ausdrücke typisch burgenländischer Art zu finden und nachzuschlagen.
Nachschlagen im Buch. (Bild: ORF)
"Aus verschiedenen Ortschaften"
"Meine Eltern stammen aus zwei verschiedenen burgenländischen Ortschaften. Und auch in der Schule trifft man auf sehr viele Mitschüler aus anderen Ortschaften. Auch zum Südburgenland habe ich gute Verbindungen", erklärt der Autor des Nachschlagewerks, Jakob Michael Perschy. "Jede Sprache ist einem permanenten Wandel unterworfen. Ich habe versucht, eine gute Mischung zu finden."
Bequem nachschlagen
Die meisten Worte, die sich in dem Büchlein finden, habe er selbst zusammengetragen. Und so kann man das typische "Burgenländerisch" nun bequem nachschlagen. Eine Auswahl gibt es schon einmal hier.
Beispiele von A bis Z:
A:
Abuat - Abort, WC
Adaraxl - Eidechse
aschling - rückwärts
aufhussn - aufhetzen
aulousn - gehorchen
Awerl - Murmel 
B:
Babrigajontschi - "Paprika-Jancsi", Scherzname für einen Ungarn
Bauchtuttl - Nabel
baunawitzi - sehr aufgeregt
Bouzn - Knospe
D:
dabern - stopfen
Douka - Puppe
Dripsdrü - dorthin schickt man jemanden, den man los werde möchte
Dusn - Dose
E:
ehnder - früher, vorher
E(i)st - Nest
eppa - vielleicht, etwa
F:
fahn - Mehl sieben
Fetzn - Rausch
fianzeln - böse Witze über Anwesende machen
Fluing - Fliege
Fouz - Mund
Funserl - kleines Licht
G:
gameri - gierig
glaunga - ausreichen, genügen
glewa - kaum (nur im Südburgenland)
Gogosch - Hahn
Grumpirn - "Grundbirne", Erdäpfel
Gspuli - kleiner Bub
Guißaumpa - Gießkanne
H:
hanti(ch) - bitter, auch: unleidllich
hari - beleidigt
He(i)n - Henne
himmlazn - wetterleuchten
Housn-Iawü - Hosenbein
I:
Iawü - Ärmel
intarisch - darunter
J:
jaukn - scheuchen, antreiben
jiada - jeder
justanee - gerade eben
K:
Kamanadl - Schweinskarree
kamt - kaum
kiern - spitze Schreie ausstoßen
Kinigl(hos) - Kaninchen
kindsdiana - babysitten
Klerassei - abfällig für Verwandtschaft
Koi - Kinn
kötzn - schimpfen
Kuiserl - Marienkäfer
L:
lanzln - Zeit vergeuden
Lefzn - Lippen
leitern - verringern
Lekwa - Marmelade
Louglachl - unselbständiger Mann
lousn - hören, horchen
M:
mantaliern - erwähnen
Ma(ü)lta - Mörtel
Mousn - Beule, Delle
Muakn - Karotte, auch: ungefälliges Mädchen
Müli - Milch
Mülirahmstrudel - Milchrahmstrudel
N:
negaziern - Unfug treiben
Ne(i)stscheisserl - das jüngste Kind
niamst - niemand
ninascht - nirgends
nocha - später
nom - nachher, dann
Nudscherl - Schweinchen
O:
Oachkatzlschwoaf - Eichhörnchenschweif
Oawas - Erbsen
oft, oftn - dann, nachher, später
Ogrosl- Stachelbeeren
okragln - den Hals umdrehen
ostottn - etwas erledigen
P:
Pamhagl - Hautentzündung
pfnausn - schwer und hörbar atmen
ploudern - blubbern
poschn - schmatzend essen
pretschkern - flüssig eine Fremdsprache sprechen
pukn - kopulieren
R:
Ranftl - Brotanschnitt
Rauschwagl - Trunkenbold
rebadeh! - noch einmal!
ruachln - hart arbeiten
Ruim - Rübe
S:
satzn - mit langen Schritten laufen
Scheawa - Maulwurf
schichti - beängstigend
schlua(r)n - ausgiebig trinken
schme(i)ka - riechen, schmecken
schorazn - kratzen, scharren
sida - seit
soacha - urinieren
Sottoam - Satan
staunta - Holzbottich (im Südburgenland)
Suzl - Kinderschnuller
T:
tack - selbstbewusst, tüchtig
trickern - trocknen, auch: verprügeln
Trudschn - blödes Mädchen
tschari - verschwunden
Tuin - Turm, auch: Quaste
U:
uamoli - einmalig
umma - herüber
ummi - hinüber
Ura - Sauerteig
V:
valuisn - verlieren
völli - fast, völlig
W:
Wacka - Schimpfwort für eine blöde Frau
Waumbasch - Fettwanst
wischpü(l)n - pfeifen (nur im Südburgenland)
wudern - kalter, böiger Wind wudert
Z:
Zaacher - Träne
zauna - weinen
Zingerl - Fettauge auf der Suppe
Zizizahzi - unendliche Geschichte
zwerigst - quer
Zwuschl - Astgabel
"Guißaumpa" und "Lekwa". (Bild: ORF)
"Guißaumpa" und "Lekwa"