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MI | 21.03 | 16:16
Familie. (Bild: APA)
Schwieriger Fall: Kinder und ein neuer Partner
Wie soll man reagieren, wenn der neue Partner nicht mit den Kindern aus erster Ehe auskommt? Erziehungsexpertin Veronika Pinter gibt hilfreiche Tipps.
Auf alle Bedürfnisse Rücksicht nehmen
Auch in Familien mit eigenen Kindern gibt es häufig Konflikte zwischen den Partnern, die gelöst werden müssen.

Umso mehr bedarf der Aufbau einer neuen Beziehung und die Integration von Kindern und Jugendlichen aus früheren Partnerschaften Zeit und Geduld.

Die häufigen Konflikte auszuhalten und auf die Bedürfnisse aller Beteiligten Rücksicht zu nehmen, ist eine sehr große Herausforderung, die häufig unterschätzt wird.
Familie bei Ausflug. (Bild: APA)
Bezugsperson "teilen"
Wie geht es einem Kind oder Jugendlichen, der nun seine Bezugsperson mit einer anderen Person "teilen" muss?

Für alle Kinder ist die Trennung der eigenen Eltern sehr schmerzhaft und häufig dauert es ein bis zwei Jahre, bis für alle Beteiligten wieder eine gewisse Balance und Ruhe im Leben herrscht.

Ein neuer Partner der Mutter/Partnerin des Vaters bringt daher wieder Unruhe und Veränderungen in das Leben der Familie. Wir brauchen uns daher nicht zu wundern, dass die neuen Partner der Eltern von den Kindern manchmal abgelehnt oder nicht akzeptiert werden.
Neuer Partner oft überfordert
Erwachsene müssen in solchen Fällen lernen, mit Gefühlen wie Wut, Trauer, Ängsten und Enttäuschungen, die mit einer Trennung oder Scheidung verbunden sind, umzugehen und sie müssen lernen, diese Gefühle ihren Kindern zuzugestehen und ihnen bei der Bewältigung zu helfen.

Die neuen Lebenspartner wünschen sich oft sehnlich eine neue Beziehung und unterschätzen, was es heißt, wenn Kinder oder Jugendliche in die Beziehung "mitgebracht" werden.

Da sie, sofern sie nicht eigene Kinder haben, wenig Erfahrung mit Kindern haben, wissen sie oft nicht, wie Kinder reagieren und was für ein bestimmtes Alter normal ist. Das führt zu häufigen Konflikten und Spannungen in der Beziehung, wobei den Kindern häufig die Schuld dafür gegeben wird.
Familie auf dem Eis. (Bild: APA)
Wie soll man sich verhalten?
Was kann man dazu beitragen, dass das Zusammenleben in einer Patchworkfamilie gelingt?

Vorbild sein: Für Kinder und Jugendliche sind Eltern und erwachsene Bezugspersonen Vorbilder. Es ist daher sehr wichtig, dass die Erwachsenen respektvoll miteinander reden und auch bei wichtigen Entscheidungen die Interessen der Kinder und Jugendlichen berücksichtigen!

Eltern bleiben Eltern: Mama bleibt immer Mama und Papa bleibt immer Papa. Zu dem anderen Elternteil sollte eine gute Beziehung aufgebaut werden, damit das Kind mehrere Bezugspersonen zur Verfügung hat und auch eine gewisse Zeit bei dem anderen Elternteil verbringen kann.

Zu einer guten Elternschaft gehören auch die Regelung der Besuchszeiten und die finanzielle Verantwortung.
Belastende Situation
Fast alle Personen leiden unter den Zwistigkeiten und Konflikten zwischen ihren Kindern und den neuen LebenspartnerInnen, da sie häufig die Schuld dafür bei sich selber suchen.

Sie fühlen sich oft überfordert und wissen nicht, was sie tun könnten, um diese belastende Situation zu verändern. Es geht oft soweit, dass manche an eine Trennung denken, da sie keinen anderen Ausweg sehen.
Nicht die Elternrolle übernehmen
Neue Partner sollten nicht versuchen die Elternrolle zu übernehmen: Erwachsene, die eine Patchworkfamilie aufbauen wollen, sollten daran denken, dass ihre Partnerschaft nur dann funktionieren kann, wenn es gelingt, auch zu den Kindern einen guten Draht zu finden.

Das ist auch möglich, wenn sie den Kindern genug Zeit lassen um sich ihnen zu nähern. Sie müssen sich nicht aufdrängen und nicht zu den leiblichen Eltern in Konkurrenz treten. Sie müssen nicht beweisen, dass sie "der bessere Vater, die bessere Mutter" sind und sie sollten auch nicht versuchen die Kinder durch teure Geschenke zu "kaufen".
Gemeinsame Aktivitäten und Gespräche
Der einfachste Weg zu einer guten Beziehung zu Kindern oder Jugendlichen führt über gemeinsame Aktivitäten oder Gespräche. Der sicherste Weg die Beziehung zu gefährden, besteht dann, wenn sie versuchen mit Drohungen, Beschämungen oder Gewalt eine Machtposition herzustellen.

Regelmäßige Gespräche führen: Konflikte sollten in Familienkonferenzen geklärt werden. Dabei sollten klare Abmachungen und Regeln vereinbart werden. Jeder sollte wissen, wer für was zuständig ist und wer worüber bestimmen kann.
Radio Burgenland Vormittag; 14.9.11