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MI | 21.03 | 16:16
Schwarzer Steinpilz. (Bild: Miriam Wiegele)
Gesund leben
Heilsame Pilze
Langsam beginnen die Schwammerl in unseren Wäldern wieder zu wachsen. Pilze können durchaus auch heilkräftig wirken. Kräuterexpertin Miriam Wiegele weiß mehr darüber.
Rund 250.000 Pilzarten
Pilze sind keine Pflanzen, sondern nach zeitgemäßer Auffassung der Biologie neben der Pflanzen- und Tierwelt eine eigene Kategorie von Lebewesen. Einer der wichtigsten Gründe für diese Neuordnung ist die Tatsache, dass Pilze im Gegensatz zu Pflanzen kein Chlorophyll besitzen.

Derzeit sind rund 250.000 Pilzarten bekannt. Dazu gehören Einzeller wie die Backhefe ebenso als auch Vielzeller wie die Schimmelpilze und die Speisepilze.
Rotkappe. (Bild: Miriam Wiegele)
Todbringend oder heilsam
Archäologische Funde zeigen, dass der Mensch die Pilze schon seit 30.000 Jahren kannte und nutzte. So trug der Gletschermann Ötzi nicht nur einen Zunderschwamm zum Feuermachen mit sich, sondern auch an einer Kette aufgefädelt den Birkenporling, der durchaus therapeutische Eigenschaften zum Beispiel bei Magenbeschwerden hat.

In der Antike wurden die Pilze ebenfalls geschätzt, man kannte aber auch deren Giftigkeit. Doch auch die Heilkraft der Pilze war schon bekannt und wurde von Dioskorides und Galen beschrieben.
"Fleisch aus dem Wald"
Der Eiweißgehalt der Pilze wurde früher gepriesen. Der Austernpilz wurde sogar "Kalbfleischpilz" genannt. Pilze enthalten einen beträchtlichen Anteil an Rohprotein in ihrer Trockenmasse.

Da Pilze aber im Durchschnitt zu 88 bis 90 Prozent aus Wasser bestehen, ist der Eiweißgehalt von Frischpilzen nicht so hoch wie der von Fleisch. Allerdings sind sie sehr purinarm und daher Menschen mit Stoffwechselerkrankungen, vor allem Gicht zu empfehlen.
Für Diabetiker geeignet
Statt Stärke enthalten Pilze Kohlehydrate wie Mannit. Diese Zuckerart hat nur die halbe Süßkraft des Rohrzuckers und wird deshalb als Zuckeraustauschstoff für Diabetiker verwendet. Pilze sind daher für Diabetikerkost ausgezeichnet geeignet: 200 g Champignon pro Tag können Diabetiker verzehren, ohne sie in ihrer Diät anrechnen zu müssen.
Schwarzer Steinpilz. (Bild: Miriam Wiegele)
Schwer verdaulich
Pilze sind besonders ballaststoffreich. In Kombination mit dem geringen Kaloriengehalt, der allerdings auch von der Zubereitung der Pilzspeisen abhängt, sind sie daher bei Übergewicht empfehlenswert. Eine Spezialität der Pilze ist ihr Gehalt an Chitin.

Dieses Chitin wirkt als Ballaststoff und kann von den Verdauungsenzymen im Darm des Menschen nicht abgebaut werden. Dadurch wird einerseits die Darmtätigkeit angeregt, andererseits sind Pilze allerdings auch schwer verdaulich.
Vitaminbomben
Der Gehalt an Vitaminen in Pilzen ist sehr unterschiedlich. Manche, wie die Pfifferlinge enthalten sehr viel Beta-Carotin, die Vorstufe von Vitamin A, das wir für die Sehkraft und den Aufbau der Haut brauchen.

Viele Pilze sind hervorragende Quellen für sämtliche Vitamin B-Arten. B2 brauchen wir für die Funktion unserer Nervenzellen und Muskeln. Champignons und noch mehr der Austernseitling enthalten besonders viel B2. Vitamin B2 braucht der Körper unter anderem zum Aufbau von Haut und Schleimhäuten.

Austernpilze und Champignons liefern genauso viel B2 für den Tagesbedarf des Menschen wie Fleisch und Fisch und der Birkenpilz übertrifft diese sogar noch.

Niacin ist ein Vitamin, das der Körper zur Energiegewinnung braucht. Es findet sich besonders reichlich in Pfifferlingen. Der Austernpilz enthält viel Folsäure, die in Verbindung mit dem Vitamin B12 für die Bildung der roten Blutkörperchen notwendig ist.
Vitamin-D-Lieferant
Seit mehr als 80 Jahren ist bekannt, dass Vitamin D entscheidenden Einfluss auf den Kalziumspiegel im Blut und den Knochenstoffwechsel hat, es wird auch gerne als Medikament zur Osteoporose- Vorbeugung und Behandlung eingesetzt.

Pilze enthalten besonders viel Ergosterin, das als Provitamin zur Bildung von Vitamin D fungiert und sind damit bedeutende Vitamin D- Lieferanten. Reich an Vitamin D sind der Champignon, Pfifferlinge, Steinpilze und Morcheln.

In 100 Gramm frischen Champignons sind 40 Prozent, in Eierschwammerln 45 Prozent, in Steinpilzen mehr als 60 Prozent des Tagesbedarfs eines Erwachsenen an Vitamin D enthalten. Auch in kultivierten Champignons, Austernpilzen und vor allem dem Shiitake findet sich viel Ergosterin.
Mineralstoffe in Pilzen
Pilze sind relativ natriumarm, dafür aber kaliumreich. Sie sind diesbezüglich sogar Gemüse und Obst überlegen. Pilzgerichte könnten daher vor allem Menschen mit Blutdruckproblemen empfohlen werden.

Mangelerscheinungen an Phosphor sind bei Erwachsenen kaum zu befürchten. Bei Pilzen
wird aber die Phosphoraufnahme durch das Vorhandensein von Ergosterin begünstigt. Frauen haben während der Schwangerschaft und Stillzeit einen erhöhten Phosphorbedarf, daher wäre auch hier immer wieder ein Pilzgericht anzuraten.

Schließlich sind die Pilze auch noch wertvolle Lieferanten für Eisen, das vor allem für den Sauerstofftransport im Körper wichtig ist. Das Eisen liegt im Körper hauptsächlich im Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff. Pilze sind übrigens auch gute Lieferanten von Spurenelementen, da vor allem von Kupfer und Selen.
Voller Geschmack
Frische Speisepilze haben wegen ihres Geschmackes etwas Unnachahmliches. Man hat mehr als hundert Substanzen gefunden, die für ihr charakteristisches Aroma verantwortlich sind. Diese Geschmackskomponenten der Pilze wirken appetitanregend, fördern die Bildung von Magensäften und die Darmtätigkeit.
In Maßen genießen
Tatsache ist, dass manche Pilze Schwermetalle in größeren Mengen speichern. Vor allem Kadmium wird in machen Pilzen besonders gespeichert. Rat der Wissenschaft: Nicht mehr als 250 Gramm Pilze pro Person und Woche genießen, schützt den Menschen und die Pilze im Wald.

Leider hat auch Tschernobyl bei Pilzen nachhaltige Spuren hinterlassen, was Fukushima betrifft, gibt es noch keine Hinweise. Rat der Wissenschaft: Verzicht auf Maronenröhrlinge (leider besonders schmackhaft), Reifpilz und Semmelstoppelpilz, denn diese haben noch immer hohe Cäsiumwerte.
Violetter Rötelritterling. (Bild: Miriam Wiegele)
Pilze in Kursen bestimmen lernen
Es ist schade, dass die meisten Pilzsammler nur Eierschwammerl, Steinpilz und Parasol kennen. Es lohnt sich, die Möglichkeiten von Pilzbestimmungskursen zu nutzen, um so wunderbare Pilze wie Rotkappen, Violetter Rötelritterling, Brätling, Frauentäubling, Judasohr oder Totentrompeten, um nur einige zu nennen, kennen lernen zu können.

Pilze kennen zu lernen, bedeutet auch, Verständnis für ihre wichtige ökologische Funktion im Wald zu bekommen. Es ist bedauerlich, dass nach wie vor viele Menschen Pilze, die sie nicht kennen, umstoßen oder zertreten.
Pfifferling oder Eierschwammerl
Wer liebt nicht Eierschwammerlgulasch mit Knödel? Vielleicht schmeckt es noch besser, wenn man weiß, dass aus Sicht der TCM die Pfifferlinge stärkend auf die Lungen- und Dickdarmenergie wirken, aber auch das Milz-Qi stärken.

Das heißt, Eierschwammerl stärken die Atemwege und sind gut für die Verdauung. Vor allem helfen sie, Energie aufzubauen. Außerdem sollen sie gegen Augenprobleme wie Nachtblindheit helfen und überhaupt die Sehkraft verbessern.

Steinpilz
Als Heilpilz gilt der Steinpilz nicht unbedingt, aber aus Sicht der TCM stärkt er das das Milz-Qi. Also hilft er bei Müdigkeit und sogar Erschöpfung. Außerdem helfen Steinpilze, den Cholesterinspiegel zu harmonisieren und Stoffwechselschlacken zu mobilisieren.
"Radio Burgenland Vormittag"; 30.8.11