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MI | 21.03 | 16:17
Bettlägrige (Bild: APA)
Gewalt gegen alte und hilflose Personen
In ihrem Themenschwerpunkt rund um Gewalt beschäftigt sich ORF Burgenland-Erziehungsexpertin Veronika Pinter diesmal mit Gewalt gegen alte und hilflose Menschen.
Rollstuhl wird geschoben (Bild: APA)
Nicht immer mit Respekt behandelt
Erfreulicherweise sind viel Menschen noch lange nach ihrer Pensionierung aktiv und gesund, leider steigt aber auch ständig die Zahl der Menschen, die auf Pflege und Unterstützung angewiesen sind.

Selten wird Gewalt gegen alte und hilflose Menschen untersucht, und auch die Betroffenen sind oft nicht in der Lage, auf Missstände im Pflegebereich aufmerksam zu machen.

"Denn unserer Gesellschaft werden alte, kranke und hilflosen Personen nicht immer mit gebührendem Respekt behandelt, viele ältere Personen fühlen sich isoliert, werden beleidigt, finanziell ausgebeutet oder werden gar Opfer von Gewalt", so Pinter.
Studien
Laut einer Studie berichten fast die Hälfte der Befragten ab 60 Jahren über Gewalterfahrungen im öffentlichen Raum und 30 Prozent über Gewalt im privaten Umfeld. Einige Betroffene fühlen sich sogar in mehrfacher Hinsicht verletzt oder bedroht.
Kommt auf Beziehung und Konflikte an. Pflege ist oft große Belastung
Die Pflege von Angehörigen ist oft eine große Belastung, besonders wenn sie sich über einen längeren Zeitraum erstreckt und keine Unterstützung zur Verfügung steht.

Zudem kommt es auch immer darauf an, wie gut die Beziehung früher war und welche Erwartungen wechselseitig bestehen oder wie sehr alte Konflikte die Beziehung belasten.
Pflege (Bild: APA)
Was auch Gewalt ist
• Unterlassung von Hilfestellung
• Vernachlässigung der Pflege
• Ausgrenzung, Verweigerung von Kontakt
• Schuldzuweisungen
• Erzeugen von Ängsten durch falsche Informationen, Übertreibungen…
• Einschränkung der Beweglichkeit, z. B. Einsperren in ein Zimmer
• falsche Ernährung
• zu heißes oder zu kaltes Essen
• keine oder wenig Unterstützung beim Essen
• Unterlassung von Geh- und Bewegungsübungen
• Beschwerden werden nicht ernst genommen oder bagatellisiert
• medizinische Hilfe wird nicht gewährt
• Abschiebung in ein Spital
• Drohungen, wie etwa mit der Einweisung in ein Heim oder der Entmündigung
• zwangsweise Verabreichung von Medikamenten oder deren Verweigerung, Überdosierung oder Ruhigstellung
• mangelnde oder ungeduldige Pflege (Haare reißen…)
• finanzielle Ausbeutung
• persönliche Dinge ohne zu Fragen aussortieren
• Kontakt zu anderen Familienmitgliedern wird unterbunden
• keine Besuch zugelassen
Recht auf Selbständigkeit
"Gewalt beginnt schon dort, wo dem alten Menschen das Recht genommen wird, Entscheidungen selbst zu treffen. Auch Respektlosigkeiten, wie zum Beispiel das Reden über den Kopf hinweg oder ältere Menschen wie kleine Kinder zu behandeln, zeigt von mangelndem Feingefühl und ist bereits eine Grenzverletzung", so Pinter.
Überforderung kann rasch in Aggression gegenüber den Angehörigen kippen. Opfer und Täter
Wenn man den tatsächlichen zeitlichen, körperlichen und psychischen Aufwand der Pflege von Angehörigen unterschätzt hat und man die Aufgabe aus Dankbarkeit oder aus Pflichtgefühl übernommen hat, kann die Überforderung sehr rasch in Aggression gegenüber den Angehörigen kippen.

Oft nicht in der Lage, Hilfe anzunehmen
Auch die Älteren haben oft ein großes Problem damit, die angebotene Hilfe anzunehmen. Selbst wenn ihnen der Alltag schon sehr schwerfällt, sind sie oft nicht in der Lage Hilfe anzunehmen.
Im Familienrat Entscheidungen gemeinsam treffen.

Familienrat einberufen
Wenn es soweit ist, dass ein Elternteil mehr Unterstützung benötigt, dann sollte man gemeinsam im Familienrat überlegen, welche Veränderungen es in Zukunft geben muss und wie man die Aufgaben so verteilen kann, dass alle Beteiligten damit gut zurecht kommen können.

"Radio Burgenland am Vormittag"; 24.8.11