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MI | 21.03 | 16:17
Weinendes Mädchen. (Bild: APA)
Gewalt: Auch Worte können weh tun
Wenn es um Gewalt in Familien geht, ist meist körperliche Misshandlung Thema. Viel zu selten wird über seelische Verletzungen gesprochen, die Worte oder Schweigen verursachen.
Kinder und Kritik
Kindern, die häufig als Person und nicht für ein Verhalten kritisiert werden, fällt es sehr schwer, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. "Aus dir wird nie etwas!" "Du bist wie dein Vater!" "Du bist ein Versager!" "Du bist doch wirklich zu dumm!" "Das lernst du nie!" "Eh klar, du schon wieder!" "Du bist mein Sargnagel!"

Angst, Aggression, Trotz
Vorwürfe, Beleidigungen und negative Vergleiche wie diese sind keine guten Erziehungsmethoden, denn sie fördern weder gutes Verhalten noch Einsicht. Sie lösen in uns eher unangenehme Gefühle aus, auf die wir mit Angst oder Aggression und Trotz reagieren.

Wenn Kinder und Jugendliche sehr häufig solchen Beschimpfungen oder Beschämungen ausgesetzt sind, kann es sein, dass sie die (negativen) Erwartungen ihrer Eltern oder Lehrer erfüllen.
Mädchen weint. (Bild: APA)
Eigenverantwortung ist oft schwierig
Vielen Menschen fällt es auch schwer Eigenverantwortung für ihre Gefühle und ihr Handeln zu übernehmen. Wenn Erwachsene überreagieren, dann sehen sie die Ursachen ihrer Gefühle oft im Verhalten der eigenen Kinder.

Damit wird die Verantwortung für ihre Handlung auf das Kind übertragen. "Er hat um eine Watsch'n gebettelt." "Sie weiß genau, dass mich das aufregt." "Ich bin so zornig, weil du..."
Manchmal warten wir zu lange, bevor wir reagieren.
Gefühle ernst nehmen
Viel besser wäre es, wenn Eltern ihre eigenen Gefühle ernst nehmen und rechtzeitig reagieren, bevor die Situation zu belastend wird. Manchmal haben Eltern auch das Gefühl, dass sie ihr Kind nicht kritisieren dürfen. Zum Beispiel aus falsch verstandener Toleranz oder aus einem schlechtem Gewissen heraus.

Oft warten sie viel zu lange, bevor sie eingreifen und etwas unternehmen. Dann kann es vorkommen, dass sie überreagieren, weil sich schon sehr viel Frust aufgestaut hat und ein Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt.
Kopfschmerzen. (Bild: APA)
Auch Gedanken bestimmen Handlungen
Es ist auch nicht unerheblich, wie Erwachsene über ihre Kinder oder Mitmenschen denken. Wenn Eltern zum Beispiel glauben, dass ihr Kind sie absichtlich ärgern wollte, als es die Milch ausgeschüttet hat, dann werden sie wohl anders reagieren als wenn sie daran denken, dass ihr Kind noch sehr klein ist und dass es erst lernen muss, Milch in ein Glas zu gießen.

Angriffe, Schuldzuweisungen und Drohungen sind missglückte Versuche, die eigenen Bedürfnisse auszudrücken.

Klare Bitten äußern
Je aggressiver Angriffe sind, desto mehr Angst steckt dahinter, dass die eigenen Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden. Es fällt uns häufig leichter unsere Mitmenschen zu beschuldigen als eine klare Bitte zu äußern.
Anders formulieren
Statt "Du nervst!" wäre es sehr viel besser zu sagen: "Ich brauche eine halbe Stunde Ruhe, könntest du bitte leise sein?" Oder statt "Du bist unzuverlässig!" wäre es effektiver zu sagen, "Ich mache mir Sorgen, wenn ich nicht weiß, wo du bist. Bitte ruf mich an, wenn du später als vereinbart kommst."
Auch Vergleiche sind Bewertungen
Selbst wenn der Vergleich positiv ausfällt, ist er immer eine Form der Bewertung und damit eine Verurteilung. Noch schlimmer ist es, wenn Eltern ihre Kinder häufig vergleichen und dabei eines negativ beurteilen.

Bewertungen erzeugen Abwehr und Verteidigung und fördern Aggression und Gegenangriffe. Selbst wenn man positiv bewertet wird, kann das Stress auslösen oder es steigt die Angst, dass man einmal ungerecht bewertet wird oder man dann denkt daran, was passiert, wenn man zum Beispiel einmal das Niveau nicht halten kann. Eltern sollten daher weitgehend auf Bewertungen und Vergleiche verzichten.

Liebevoller und entspannter
Wenn Sie statt die Person zu kritisieren nur ein bestimmtes Verhalten, das Sie beobachtet haben, und Ihre Gefühle und Bedürfnisse mitteilen, wird der Umgang mit anderen sehr viel entspannter, angenehmer und liebevoller ausfallen.

"Radio Burgenland am Vormittag"; 10.8.11