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MI | 21.03 | 16:17
Weinendes Kind. (Bild: APA)
Wenn Kinder nicht schlafen wollen
Was tun, wenn ein Kind nicht schlafen will? Viele Heilmittel aus der Kräuterapotheke - wie Kamille, Lavendel oder Baldrian - können helfen. Miriam Wiegele hat die Tipps.
Hilfe aus der Natur
Die Nächte werden nun langsam länger, doch am Abend ist es noch lange hell. Da wollen viele Kinder nicht ans Schlafen denken und ihre Eltern sind besorgt, dass die Kinder zuwenig Schlaf bekommen. Das ist aber noch kein Grund zur Sorge.

Sollte es dagegen tatsächlich zu Schlafstörungen bei den Kindern kommen, kann man mit natürlichen Mitteln helfen.
Schlafendes Kind. (Bild: APA)
Wie viel Schlaf braucht ein Kind
Nach der Geburt muss der hell- Dunkel- Rhythmus als Tagesrhythmus von den Kindern erst erlernt werden.

Dies dauert meist sechs Monate, da das Schlafhormon Melatonin erst ab dem dritten Monat ausreichend produziert wird.
Ähnlich wie beim Erwachsenen ist das Schlafbedürfnis von Kindern individuell sehr unterschiedlich.
Richtwerte
Bis 5 Monate: 16 bis 14 Stunden
1 Jahr: 14 Stunden
5 Jahre: 11,5 Stunden
10 Jahre: 10 Stunden
Unterschiedliche Bedürfnisse
Diese Werte sind aber nur als Richtwerte zu betrachten. Vor allem bei Säuglingen gibt es sehr große Unterschiede, manche Kinder "schlafen sich groß", andere haben dagegen weit weniger Schlafbedürfnis als ihre Eltern.

Im Rahmen der normalen Entwicklung pendelt sich das Schlafbedürfnis aber doch auf einen Mittelwert ein. Volksschulkinder sollten also neun bis elf Stunden pro Tag schlafen. Mehr Schlafzeit von ihnen einzufordern, führt zwangsläufig zu Konflikten und kann damit bereits zu ersten Schlafstörungen führen.
Verhaltensbedingte Einschlafprobleme
In etwa 75 Prozent sind Einschlafprobleme verhaltensbedingt. Das Schlafumfeld und das Verhalten der Eltern sind wichtige Faktoren. Bei kleinen Kindern reicht es schon, wenn das Kinderzimmer in der Nähe des Schlafzimmers der Eltern liegt, da viele Kinder sich nach dem Zubettgehen allein gelassen fühlen. Oft hilft es auch, die Tür des Kinderzimmers einen Spalt offen zu lassen.

Niemals als Strafe
Bei älteren Kindern ist sehr häufig eine Reizüberflutung die Ursache der Probleme. Fernsehen oder Computerspiele können dazu führen, dass die Kinder überdreht sind. Besser wäre es, auf geregelte Bettzeiten Wert zu legen, aber ohne Drohungen wie ""Wenn du nicht sofort schlafen gehst!".

Das Zubettgehen darf niemals als Strafe eingesetzt werden. Das Kind soll sich auf das Bett freuen und nicht das Gefühl haben, dass es ein Ort der Einsamkeit und des Ausgestoßenseins ist.
Rituale für Harmonie
"Gute-Nacht-Rituale" wie Gutenachtgeschichten oder Märchen (vielleicht von der Prinzessin auf der Erbse!) stärken die Eltern- Kind- Bindung und führen zu einem harmonischen Ausklingen des Tages.
Wann spricht man von Schlafstörungen
Im Vorschulalter leiden zirka 20 Prozent der Kinder und im Schulalter zirka 10 Prozent unter Schlafstörungen, sei es beim Einschlafen oder Durchschlafen. Das Wachliegen oder Erwachen ist keine eigentliche Krankheit, sondern ein Symptom, dessen Ursache man ergründen sollte.

Meist sind es psychische Ursachen wie Schulängste, Überreizung und Überforderung, aber auch familiäre Probleme. Manchmal sind die Ursachen falsche Essgewohnheiten wie üppige Mahlzeiten am Abend oder anregende Getränke wie Eistee oder Cola.

Vom Arzt abklären lassen
Ob Krankheiten hinter den Schlafstörungen stehen, sollte vom Arzt abgeklärt werden. Mögliche Ursachen für organische Schlafstörungen sind Polypen in der Nase, vergrößerte Mandeln. Übrigens leiden Kinder mit Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auch oft unter Schlafstörungen.
Symptome für Schlafstörungen
Kurz vor dem Einschlafen schaltet der Körper auf Sparflamme um. Die Körpertemperatur sinkt, Atmung und Puls werden langsamer und durch die Ausschüttung des Hormons Melatonin tritt der Tiefschlaf ein. Bei Kindern mit Schlafstörungen ist dieser Vorgang durcheinender geraten.

Kindliche Schlafstörungen zeigen sich meist durch verzögertes Einschlafen, aber auch Durchschlafstörungen, die mit Schlafwandeln, nächtlichem Aufschrecken (Pavor nocturnus) und Albträumen verbunden sein können. Solche Symptome sollten ebenfalls medizinisch abgeklärt werden.
Schlafendes Mädchen (Bild: APA)
Schlafkräuter für Kinder
Grundsätzlich sind die Kräuter, die Kindern zu gutem Schlaf verhelfen können, dieselben wie die für Erwachsene. Man darf von Heilpflanzen keine Sofortwirkungen erwarten. Dank des großen Wirkstoffspektrums helfen sie auch nervöse Unruhe am Tag oder Angstzustände zu lindern, was auch die Schlafbereitschaft des Kindes erheblich fördert.

Tee, Sirup, Schlafkissen, Kekse
Die Anwendung erfolgt je nach Pflanze optimal als Tee, als Sirup (wird von den Kindern besonders gerne angenommen), als Tinktur, als Schlafkissen oder in Form von Düften (ätherisches Öl), als Gemmomazerat und manchmal darf es auch ein Leckerli sein wie Kekse mit entspannenden Gewürzen.
Melisse
Melissentee wirkt hervorragend bei Kindern, welche die Tagesereignisse zu sehr in sich aufnehmen, sie bis zum Abend kaum verarbeiten und deshalb lange zum Einschlafen brauchen. Melisse hilft auch bei nervös-seelischen Verkrampfungen und Bauchweh, die zu Einschlafstörungen führen.

Melisse hat nämlich auch eine gute krampflösende Wirkung. Eine besonders entspannende und schlaffördernde Wirkung der Melisse wäre, sie als Badezusatz zu verwenden, da dann auch eine sehr starke Duftentwicklung zustande kommt.

Teezubereitung: 1 TL Melissenkraut / 150 ml heißem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen.

Melissensirup: 5 Handvoll Melissenblätter, 1 l Wasser, 1 kg Zucker oder Honig, 2 Bio- Zitronen. Melissenblätter in eine verschließbares Glas einfüllen, mit Zucker und Wasser auffüllen. Schwenken oder rühren, bis der Zucker aufgelöst ist. Zitronen in Scheiben schneiden und dazu geben. Zugedeckt drei Tage lang stehen lassen, täglich schwenken. Anschließend absieben , kurz aufkochen und in Gläser abfüllen. Vor Gebrauch großzügig mit Wasser verdünnen.

Melissenbad: Baumwollsäckchen (am besten sind solche geeignet, die sich oben zuziehen lassen) mit Melissenblättern, am besten frisch, füllen, unter den Wasserhahn der Badewanne hängen und das heiße Wasser darüber rinnen lassen.
Tipp
Britische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das ätherische Öl der Melisse die Aktivität des Botenstoffes Acetylcholin im Gehirn stärkt, was sich günstig auf das Gedächtnis auswirken kann. Melisse fördert also das Lernen- eine wunderbare Pflanze für gestresste Schulkinder.
Lavendel (Bild: Miriam Wiegele)
Lavendel
Die blauvioletten Blüten sind sozusagen das Synonym für Entspannung. Der Name Lavendel leitet sich von lat. lavare, reinigen, ab. Dies ist aber nicht im Sinne körperlicher Reinigung zu verstehen, sondern der Lavendel hilft, geistig "zu klären", sprich die vielen Eindrücke und Erkenntnisse des Tages zu ordnen.

Gleichzeitig wirkt der Lavendel auch körperlich entspannend, was vor allem dann hilft, wenn die Kinder am Abend noch flott unterwegs sind. Lavendel hilft insgesamt auch bei Unruhezuständen und nervösen Bauchbeschwerden. Die Kraft des Lavendel kann man vielfältig nutzen.

Tee: 1 TL Blüten / 150 ml heißes Wasser, im Aufguss zubereiten, nicht länger als 5 Minuten ziehen lassen, mit Honig gesüßt schmeckt der Tee besser. Der Tee enthält sehr viel Gerbstoffe und wäre gut geeignet bei Krampfzuständen im Bauchbereich. Besser ist es, einen Sirup nach dem Rezept des Melissensirups zu machen und den Kindern mit Wasser verdünnt zum Trinken zu geben.

Badezusatz: Baumwollsäckchen mit Blüten füllen, heißes Wasser darüber.
Schlafkissen: Einen Kissenbezug in der Größe eines Kopfposters mit getrockneten Lavendelblüten füllen (nicht zu dick). Man kann die Lavendelblüten auch mit Melissenblättern und etwas Hopfenzapfen mischen. Das duftend Kissen wird in Kopfnähe im Bett hingelegt.

Lavendelölauszug: Aus den Blüten kann man selber einen Ölauszug herstellen. Glas mit Blüten füllen, mit Mandelöl füllen, 2 Wochen an warmen Ort (nicht in der Sonne) ausziehen lassen, abfiltern.

Eine abendliche Einreibung der Arme, Beine und des Rückens mit dem Öl wirkt nicht nur sehr entspannend, sondern bringt dem Kind auch besondere Zuwendung durch die Eltern.

Lavendelöl: Einfacher ist die Anwendung des reinen ätherischen Öls zum Einreiben (auf 50 ml Mandelöl 10 Tropfen ätherisches. Öl) oder als Badezusatz (pro Badewanne 5 Tropfen in etwas Milch emulgieren, dann zum Badewasser geben).
Passionsblume
Bei länger anhaltenden Schlafstörungen, vor allem bei Durchschlafproblemen, kann es sinnvoll werden, Passionsblume zu verwenden. Die aus Amerika stammende Pflanze mit ihren beeindruckenden Blüten ist auch für Kinder geeignet.

Sie wirkt schlaffördernd, krampf- und angstlösend und mild beruhigend. Anwendung als fertiges Präparat aus der Apotheke oder als Tee. Sinnvoll wäre es, in der Apotheke eine Teemischung herstellen zu lassen.

Beruhigungstee: Zu gleichen Teilen Melissenkraut, Lavendelblüten und Passionsblumenkraut mischen lassen. Zubereitung: 1 TL / mit 150 ml heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen.
Baldrian. (Bild: APA)
Baldrian:
Die Baldrianwurzel riecht nicht nur eigenartig, die Kinder finden meistens auch den Geschmack des Tees unangenehm. Doch es gibt Situationen, wo man Kindern Baldrian geben sollte.

Bei nervös bedingten Schlafstörungen, Lampenfieber, Prüfungsangst, nervösen Erschöpfungszuständen und Spannungszuständen hilft Baldrian eindrucksvoll. wie auch Studien zeigten.

Anwendung: Am besten in Form der "Baldriantropfen" (Tinctura valerianae), 15 bis 20 Tropfen am Abend mit Würfelzucker geben.
Lindenblüten
Meist kennt man Lindenblüten nur als Tee gegen Grippe, doch die Linde "lindert" auch Schlafstörungen. der angenehm schmeckende Tee mit Honig gesüßt wirkt nicht direkt schlaffördernd, sondern hilft vor allem "zerfahrenen" Kindern, die ständig überdreht sind, keinen Moment zur Ruhe kommen und nicht einschlafen können.

Dieser Ratschlag stammt von dem französischen Kräuterexperten Maurice Messegue, der den Lindenblütentee vor allem mit Kamille vermischt empfahl.

Gemmotherapie: Sie stammt aus Frankreich. Dabei werden die Knospen (gemma, lat. Knospe) von Bäumen und Sträuchern verwendet. Verarbeitet werden sie zu Glycerinmazeraten und diese werden tropfenweise genommen. Kinder sind über den süßen Geschmack des Mazerates sicher nicht böse.

Lindenknospenmazerat wirkt noch intensiver bei Schlafstörungen als der Tee aus den Blüten, vor allem hilft es auch besser durchzuschlafen.

Bei Schlafstörungen von hyperaktiven Kindern in Verbindung mit Aggressionen, Ratlosigkeit, aber auch Ängsten, empfiehlt es sich, Feigenknospenmazerat zu verwenden. Beide - Linden- und Feigenknospen - können auch gemischt verwendet werden.

Anwendung bei Kindern: Täglich 2 mal 5 Tropfen (in Mischung 10 Tropfen) in Wasser vor dem Essen geben.
Kamille
Die Kamille ist nicht nur ein gutes krampflösendes Heilkraut gegen Bauchweh, sondern hat auch eine beruhigende Wirkung und hilft vor allem besonders empfindlichen Kindern. Am besten bewährt haben sich die Kamillenblüten in Schlafteemischungen.

"Glückstee" nach Messegue: Zu gleichen Teilen Lindenblüten und Kamillenblüten mischen, 1 TL mit 150 ml heißem Wasser im Aufguss zubereiten, 10 Minuten ziehen lassen.
Eine Wiese mit Kamillen
Dill
Der Name Dill stammt vermutlich vom altnordischen "dilla", beruhigen, einlullen. Dillsamen wirken nicht nur entblähend, sondern auch beruhigend.

In Amerika nannte man sie "meeting seeds", da sie zu einem ruhigen Ablauf von Veranstaltungen wie Gottesdiensten führten, wenn man den Tee vorher den Kindern gab. Die Volksmedizin empfiehlt, die Samen mit Milch zuzubereiten.

Tee: 1 TL frisch gequetschte Samen / 1 Tasse heißes Wasser (oder Milch) im Aufguss zubereiten, 5- 7 Minuten ziehen lassen.
Anis
Im Vergleich mit Dill hat Anis eher eine krampflösende Wirkung auf die Atemwege, ist also ein ausgezeichneter Hustentee für Kinder. Aber schon Plinius schrieb, dass Anis gut sei gegen "schwere Träume".

Wenn Kinder also in der Nacht aufwachen, weil sie Albträume haben, könnte man ihnen Aniskekse zum Knabbern vor dem Schlafengehen geben oder noch besser, einen Tee, bei dem Dill- und Anissamen gemischt werden.

Teezubereitung: Dill- und Anissamen zu gleichen Teilen mischen, zerquetschen, 1 TL mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 5- 7 Minuten ziehen lassen.
Anis (Bild: Miriam Wiegele)
Pomeranzen
Paracelsus nannte die Bitterorange "Poma aurantia", Goldapfel. Verwendet werden in der Kräuterheilkunde die getrockneten Fruchtschalen zwar primär als appetitanregender, aber auch entkrampfender und mild beruhigender Tee.

Die Schalen gibt es auch als Pomeranzetinktur in der Apotheke. Diese wird vor allem zur Geschmacksverbesserung zu anderen Tinkturen gemischt. Beispielsweise könnte man folgende Mischung in der Apotheke zusammenstellen lassen.

"Schlaftropfen":
Baldriantinktur 30 ml
Pomeranzentinktur 10 ml
Passionsblumentinktur 20 l

Bei Einschlafschwierigkeiten kann man 1 Stunde vor dem Schlafengehen 1 TL der Mixtur in Wasser nehmen.

Von der Pomeranze werden auch die Blüten (Aurantii flos) verwendet, die auch als Orangenblüten angeboten werden. Man schreibt ihnen eine beruhigende Wirkung zu und mischt sie gerne zu Schlaftees, da sie der Mischung auch noch einen angenehmen Duft und Geschmack verleihen.
Kinderschlaftee
Kamillenblüten 20 g
Lindenblüten 20 g
Dillfrüchte 10 g
Melissenblätter 20 g
Pomeranzenblüten 20 g

In der Apotheke mischen lassen, 1 TL / 150 ml heißes Wasser, 5 Minuten ziehen lassen. Eine Tasse vor dem Schlafengehen.

"Radio Burgenland am Vormittag"; 16.8.11