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MI | 11.04.2012
Pläne Eberau (Bild: ORF)
EBERAU
SOS Mitmensch für mehrere kleine Standorte
Die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch spricht sich in der Diskussion um das geplante Asylerstaufnahmezentrum in Eberau für die Errichtung mehrerer kleiner Standorte aus.
Sonderegger: Etwa 15 Erstaufnahmelager
Ideal wären etwa 15 Erstaufnahmelager in ganz Österreich, die jeweils maximal 80 Personen aufnehmen können, erklärte Philipp Sonderegger von SOS Mitmensch im Gespräch mit der APA.

Kleinere Zentren würden auch dazu beitragen, den Bürgern die Angst vor Asylwerbern zu nehmen. Schon oft habe sich gezeigt, dass bei einem persönlichen Kontakt zwischen Bevölkerung und Asylwerbern in überschaubarer Umgebung "plötzlich die Probleme weg" seien.

Er vermute allerdings, dass Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) bewusst auf "Massenlager" setze, um die Asylwerber "von der Öffentlichkeit zu isolieren".
Traiskirchen entlasten
Es sei auf jeden Fall "sinnvoll", das Erstaufnahmezentrum im niederösterreichischen Traiskirchen zu entlasten, betonte Sonderegger. Dies müsse man sowohl im Interesse der Umgebung als auch der Asylwerber tun.

Um diese "vernünftig" betreuen zu können, seien allerdings kleinere Einrichtungen und keine "Massenlager" notwendig.
Schwierigkeiten liegen nicht an Ausländern
Die Schwierigkeiten in den Erstaufnahmezentren wie Traiskirchen lägen nämlich nicht an den Ausländern, so Sonderegger: "Würde man nur Österreicher in eine derart große Einheit stecken, würde es die selben Probleme geben."

Prinzipiell gehe es um die "Zustände" in den Lagern, verweist Sonderegger beispielsweise auf Massenschlafsäle, die gleichzeitig als Wohnraum genutzt werden. Auch sei es in großen Asylzentren nicht möglich, die Betroffenen adäquat zu betreuen, besonders wenn es sich um traumatisierte Flüchtlinge handle.
Verständnis für Ablehnung in Eberau
Für die Bürger in Eberau, die nicht gerade begeistert auf Fekters Pläne reagiert haben, habe er aber auch Verständnis, betonte Sonderegger: "Die Bevölkerung hat jahrelang gehört, Asylwerber sind Kriminelle, eine Belastung, eine Bedrohung."

Auch durch die ständigen Berichte über die Überlastung in Traiskirchen sei es "berechtigt, skeptisch zu reagieren". Dabei, so Sonderegger, hätte man das Problem "früher ganz leicht lösen können", indem man die Asylbehörden "ausreichend" ausgestattet und dadurch die Situation entspannt hätte.
Fekter versuche, Asylwerber "von der Öffentlichkeit zu isolieren", vermutet Sonderegger.
Vorwürfe an Innenministerin
Die aktuelle Diskussion sei jedenfalls "unbefriedigend", und dass sich die Idee mehrerer kleiner Lager durchsetzen wird, glaubt Sonderegger auch nicht. "Es gibt handfeste Interessen hinter den Massenlagern."

Fekter habe, wie Sonderegger vermutet, aus jenen Fällen in der Vergangenheit "gelernt", bei denen einzelne Asylwerber derart gut in einer Gemeinde integriert waren, dass sich die Bevölkerung gegen ihre Abschiebung eingesetzt habe. Um dies zu verhindern, versuche die Innenministerin nun offenbar, Asylwerber in großen geschlossenen Erstaufnahmezentren "von der Öffentlichkeit zu isolieren".
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