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MI | 11.04.2012
Münze (Bild: ORF)
STREBERSDORF
Sensation: Römische Militärlager entdeckt
Archäologen haben in Strebersdorf einen außergewöhnlichen Fund gemacht. Sie entdeckten drei römische Militärlager, zwei Hektar groß. Damit wurde ein lange gesuchter Standort einer römischen Reitereinheit gefunden.
Entdeckung erfolgte im Rahmen des länderübergreifenden Forschungsprojekts "Bernsteinstraße".
"Größtes" Lager im Burgenland
Die Experten des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) bezeichneten den Fund in Strebersdorf (Gemeinde Lutzmannsburg) als "größtes und einziges" Militärlager des Bundeslandes und der angrenzenden Region.

Mit der Entdeckung sei man nun auch zu vollkommen neuen Erkenntnissen über die Funktion der römischen Armee, etwa als Ressourcenhüter, gelangt.

Die Entdeckung erfolgte im Rahmen des vom ÖAI initiierten länderübergreifenden Forschungsprojekts "Bernsteinstraße". Kooperationspartner sind Ungarn, Slowenien und die Slowakei.
Luftbild (Bild: ORF)
Fundort (Bild: ORF)
Die drei Militärlager von Strebersdorf wurden in zeitlicher Abfolge übereinander am selben Platz errichtet.

Die Lager waren mit einen Meter tiefen und drei Meter breiten Gräben sowie einer Wallanlage mit Palisaden gesichert. Die Holztore waren mit neun Quadratmeter großen und rund sechs Meter hohen Türmen befestigt. Im Lauf der Zeit wurden die Militärlager von 2,2 auf 0,7 Hektar verkleinert.
"Teils sensationelle" Fundstücke
Dass an diesem Standort "Bodentruppen" stationiert waren, belegen laut ÖAI 80 "teils sensationelle" Fundstücke, die ebenfalls geborgen werden konnten.
Fundstück (Bild: ORF) "Geschichte muss neu geschrieben werden"
"Mit den Erkenntnissen der angrenzenden Vorjahresgrabung des ÖAI, bei der die größte römische Siedlung im Burgenland aufgefunden wurde, und den diesjährigen Forschungen muss die römische Geschichte dieser Region und auch Österreichs neu geschrieben werden", sagte Stefan Groh, Grabungsleiter und "Bernsteinstraße"-Projektleiter .
Ausgrabung (Bild: ORF)
Schmuckstück (Bild: ORF)
Die drei Militärlager sind bisher die einzigen des Bundeslandes und der angrenzenden Region. Sie sind Teil der größten römerzeitlichen archäologischen Landschaft des Burgenlands, gemeinsam mit dem Vorjahresfund erstrecken sie sich über 20 Hektar.

Die Gebäude im Inneren der Lager waren aus Holz (Mannschaftsbaracken, Kommandantenhaus, Getreidespeicher). Rund um die Militärlager sind mehrere Ofenbatterien zu erkennen. Schmelzöfen zur Eisenverhüttung wurden in der Nähe der Bäche mit rund 60 Meter Abstand zur Siedlung und zum Lager gebaut.

"Die Schmelzöfen hatten einen riesigen Bedarf an Holz, was die Landschaft sicherlich nachhaltig in ihrem Ökosystem beeinflusste", so Groh.
Die Militärlager und die dazugehörige Siedlung liegen direkt an der Bernsteinstraße.
Erster großer Fundplatz im Burgenland
"Damit besitzt das Burgenland nun erstmals auch einen großen römischen Fundplatz, vergleichbar mit Virunum in Kärnten und Flavia Solva in der Steiermark", so Groh.

Die Militärlager und die dazugehörige Siedlung befinden sich direkt an der Bernsteinstraße, dem wichtigsten Handelsweg in römischer Zeit.
Plan des Lagers (Bild: ORF)
Bernsteinstraße (Bild: ORF)
Die Anwesenheit von Militär im Mittelburgenland ist ein neuer geschichtlicher Aspekt. Außer einigen Funden war bis dato Groh zufolge nicht bekannt, dass römisches Militär über mehrere Jahrhunderte diesen Abschnitt der Bernsteinstraße und die dort gelegenen Eisenerzvorkommen kontrollierte.
Bis zu 70 Zentimeter unter die Erde sehen.
Georadar im Einsatz
Bei der Entdeckung kamen vor den Grabungsarbeiten Geomagnetik und Georadar zum Einsatz. So konnte die rund 21 Hektar umfassende Siedlung zerstörungsfrei "durchleuchtet" werden.

Mit dieser Art geophysikalischer Messungen könnten Archäologen bis zu 70 Zentimeter unter die Erde sehen, wie es hieß.
Fundstück (Bild: ORF)
"Nun wissen wir, dass diese Siedlung zu den Militärlagern in Strebersdorf gehört", sagte Groh. "Sie wurden über mehrere Jahrhunderte besiedelt, vom ersten bis in das vierte Jahrhundert nach Christus. Über 2.000 Fundmünzen stammen aus der Region und zeugen von der Bedeutung der Siedlung."
Genau eine römische Tagesreise von den benachbarten römischen Städten Scarbantia und Savaria entfernt.
Siedlung der Soldatenangehörigen
In der Siedlung lebten und arbeiteten die Angehörigen der Soldaten. Händler besaßen hier ihre Stützpunkte, auch die Pferde der Transporteure auf der Bernsteinstraße seien hier versorgt worden, teilte das ÖAI mit.

Diese Siedlung und die Militärlager lägen genau eine römische Tagesreise, rund 25 Kilometer, von den benachbarten römischen Städten Scarbantia (Sopron) und Savaria (Szombathely) entfernt.

Nächste Woche wird die Grabung wieder verschlossen.
Hahn: Stärkung für Wissenschaftsstandort
Bei der Präsentation des Fundorts waren Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP), Vertreter des Landes und der Gemeinden wie auch slowakische und ungarische Projektpartner des ÖAI anwesend.

"Österreichs Archäologie ist auf einem ausgezeichneten Weg. Der jüngste, sehr erfreuliche Beweis ist dieser außergewöhnliche Fund im Rahmen des Bernsteinstraßen-Projekts, mit dem Österreichs Archäologinnen und Archäologen einmal mehr für positive internationale Schlagzeilen sorgen", sagte Hahn.

Die österreichische Archäologie werde damit auch den Wissenschafts- und Forschungsstandort Österreich stärken.
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