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MI | 11.04.2012
Ausgrabung (Bild: ORF)
WISSENSCHAFT
Historische Sensationsfunde bei Sigleß
Bei Sigleß haben Archäologen mittlerweile Friedhöfe aus drei Zeitperioden entdeckt. 2007 fanden sie dort erste Spuren der Awaren, nun wurden auch römische Urnengräber und Gräber aus der vorchristlichen Hallstattzeit freigelegt.
30 Gräber bisher geöffnet
Der Kloaschütz-Wald bei Sigleß gibt seine jahrtausendealten Geheimnisse nur Stück für Stück preis. Dass sich unter den Hügeln Gräber befinden, haben einige Dorfbewohner zwar schon jahrzehntelang vermutet - konkret gegraben wird aber erst seit zwei Jahren.

44 Hügel hat das Archäologenteam rund um Dorothea Talaa erfasst, 30 Gräber wurden bisher geöffnet.
Drei Friedhöfe
"Wir haben drei Friedhöfe aus unterschiedlichen Zeitperioden nachgewisen. Der bislang älteste Friedhof stammt aus dem achten vorchristlichen Jahrhundert, der nächste aus der römischen Kaiserzeit, und dann der awarische Friedhof", so Dorothea Talaa.
Ausgrabung (Bild: ORF)
Die bisherigen Funde lassen darauf schließen, dass es sich um eine sogenannte Siedlungskammer mit mehreren Siedlungen handelt - neben Sigleß wurden auch in den vergangenen Jahren auch in Mattersburg und Zillingtal Spuren der Awaren entdeckt.
Lanze (Bild: ORF)
Ebenfalls heuer entdeckt wurde das Grab eines awarischen Kriegers, dessen Lanze noch gut erhalten ist und jetzt restauriert wird.
"Untergang der Oberschicht"
"Es dürfte sich hier um den Untergang der Awaren handeln, um den Untergang der Oberschicht. Wir haben im Vorjahr bereits hier Krieger gefunden, die noch die Spuren der Kampfhandlungen - Schwerthiebe im Schädel und im Becken - aufweisen", so Talaa.

Die Anordnung der Gräber deutet nach Ansicht der Archäologin auf ein ausgeklügeltes Gesellschaftssystem hin.
Auch Kindergräber
Bei den Überresten in den nun freigelegten Kindergräbern dürfte es sich um die direkten Nachfahren des letzten Awarenfürsten hier im Raum Sigleß handeln.
Frühe "Multikulti"-Gesellschaft
Die Grabbeigaben und Schmuckstücke lassen Rückschlüsse sowohl auf Beziehungen der Awaren zum skandinavischen als auch zum byzantinisch-orientalischen Raum zu.

"Wir haben im achten und beginnenden neunten Jahrhundert eine "Multikulti"-Gesellschaft - hier heidnisch, in Mattersburg haben wir aber auch Hinweise für frühes Christentum entdeckt", sagte Talaa.
Die restaurierten Funde sollen in Sigleß ausgestellt werden.
Wissenschaftliche Auswertung läuft
Die historischen Funde aus Sigleß werden jetzt wissenschaftlich aufgearbeitet, ausgewertet und fotografiert. Die Erkenntnisse werden dann in Form einer wissenschaftlichen Arbeit veröffentlicht.

Die restaurierten Funde selbst sollen in weiterer Folge in Sigleß ausgestellt werden.
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