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MI | 11.04.2012
Hochwasser in Güssing. (Bild:ORF).
WETTER
226 Feuerwehren kämpfen gegen Hochwasser
226 Feuerwehren sind seit Beginn der Regenfälle im Burgenland ausgerückt, um gegen das Hochwasser anzukämpfen. Dramatisch war die Lage im Süden. In Güssing stand das Wasser bis zu eineinhalb Meter auf den Straßen.
Die Strem und der Zickenbach traten über die Ufer
Katastrophenalarm in Güssing
Heute Morgen hat sich die Lage in Güssing zwar etwas entspannt, aber in der Nacht wurde sogar Katastrophenalarm ausgelöst: Denn die Strem und der Zickenbach traten ab Mitternacht über die Ufer, ganze Stadtteile wurden überflutet und stehen zum Teil noch immer unter Wasser - zum Beispiel der Bereich beim Aktivpark Güssing.

Die Wassermassen bedrohten auch das Altenwohnheim Güssing: Die Bewohner mussten vom ersten in den zweiten Stock evakuiert werden. Das Wasser drang dann aber nur in den Keller ein.
Hochwasser in Güssing. (Bild: ORF)

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Pegel der Strem sinkt
In der vergangenen Nacht waren im Bezirk Güssing vor allem die Bereiche Stegersbach, Bocksdorf, Neuberg, Güttenbach und das gesamte Zickenbachteil von den Überschwemmungen betroffen.

Derzeit sinkt der Pegelstand der Strem wieder. Doch der Einsatz der Feuerwehrleute ist noch lange nicht zu Ende: Denn wenn sich die Wassermassen wieder zurückziehen, sind Reinigungsarbeiten angesagt.
Überschwemmter Fußballplatz. (Bild: Bezirksfeuerwehrkommando Oberwart)
Bundesstraße in Strem überflutet
Im gesamten Bezirk Güssing entspannt sich die Lage derzeit. Eine Ausnahme bildete zunächst die Ortschaft Strem.

Der Wasserstand des Strembachs stieg dort weiterhin, die Menschen in Strem waren verzweifelt, berichtete ORF-Burgenland Reporter Norbert Lehner. Die Bewohner des Ortes haben ihr Hab und Gut in Sicherheit gebracht, viele haben ihr Haus fluchtartig verlassen verlassen.
"Menschen in Strem verbittert"
Die Menschen in Strem seien verbittert. Seit Jahren würden sie auf einen Hochwasserschutz warten, sagt Bürgermeister Bernhard Deutsch (ÖVP).

Die Pläne liegen seit Jahren auf der Gemeinde, nur mit der Umsetzung hapert es, und ich würde jetzt endlich die Verantwortlichen im Land bitten den Menschen zu helfen und dieses Projekt auch umsetzen".

Rund 100 Feuerwehrleute waren gegen Mittag in Strem im Einsatz.
Lafnitz tritt über die Ufer. (Bild: FF Wallendorf)
Feuerwehren in manchen Gemeinden im Dauereinsatz
Süden besonders betroffen
Insgesamt waren die südlichen Bezirke in der vergangenen Nacht vom Hochwasser besonders schwer betroffen.

In Deutsch Kaltenbrunn, Rudersdorf und Jennersdorf seien die Feuerwehren praktisch im Dauereinsatz gewesen, sagte der Bezirkshauptmann von Jennersdorf Hubert Janitsch. Auch der Keller der BH Jennersdorf wurde überschwemmt.
Hochwassereinsatz der Feuerwehr in Bad Sauerbrunn. (Bild: FF Bezirk Mattersburg)
Auch Heiligenbrunn betroffen
Am späten Nachmittag hat sich die Situation in Strem zu beruhigen begonnen. Die Wassermassen haben sich Richtung Staatsgrenze verschoben und damit in Richtung Heiligenbrunn verschoben.

Das Gebiet zwischen Heiligenbrunn - Hagensdorf und Deutsch Bieling gleicht seit den Mittagsstunden einem riesigen See. Etwa 150 Hektar Wiesen und Felder stehen hier unter Wasser.

Die Einsatzkräfte beobachten die Lage, sagte Walter Schmied von der Feuerwehr Heiligenbrunn. Die bedrohten Häuser seien mit Sandsäcken gesichert worden, er hoffe, dass das Schlimmste überstanden sei, so Schmied.
350 Einsätze allein im Bezirk Mattersburg
Auch das Nordburgenland blieb vom Hochwasser nicht verschont, mehrere Bäche traten über die Ufer - unter anderem die Wulka.

Im Bezirk Mattersburg waren alle Feuerwehren im Einsatz: Binnen weniger Stunden wurden 350 Einsätze verzeichnet. Keller mussten ausgepumpt, Straßen freigemacht und Sandsäcke verteilt werden.
Wulka ist über die Ufer getreten
Wulkaprodersdorf: Keller unter Wasser
Probleme gibt es im Nordburgenland heute Morgen noch in Wulkaprodersdorf und Antau: Dort ist die Wulka schon in der Nacht über die Ufer getreten, mit den Folgen kämpften rund 30 Feuerwehrleute, sagte der Feuerwehr-Kommandant von Wulkaprodersdorf Robert Csukovits.

Im Minutentakt kamen Anrufe von Wulkaprodersdorfern, deren Keller unter Wasser stehen, so Csukovits.
Trausdorf: Lage weiterhin ernst
Ein neuralgischer Punkt blieb die Wulka am frühen Donnerstagmittag zwischen Wulkaprodersdorf und Trausdorf. In Trausdorf hatte sich die Wulka in einen reißenden Strom verwandelt. Normalerweise liegt der Pegel bei 50 Zentimetern, gegen Mittag lag er bei rund drei Metern, berichtete ORF-Burgenland Reporterin Miriam Machtinger.

Das Hochwasser hat die Trausdorfer regelrecht überrascht, denn eigentlich hatte es in der Nacht aufgehört zu regnen. Gegen 6.30 Uhr ist die Wulka dann aber über die Ufer getreten, sagt Bürgermeister Viktor Hergovich (SPÖ). Gegen Mittag waren rund 100 Feuerwehrmänner im Ort ein Einsatz.

Erstmals wurde auch das Bundesheer zur Assistenzleistung angefordert. Gemeinsam mit den Kräften von sechs Feuerwehren waren 43 Soldaten mit Pumparbeiten beschäftigt.
Feuerwehr verteilt Sandsäcke. (Bild: FF Bezirk Mattersburg)
"Eingänge sichern"
"Es ist so, dass wir vorrangig uns darauf konzentrieren, die Eingänge zu den Häusern mit Sandsäcken zu sichern", so Robert Seichmann von der Feuerwehr Trausdorf.

Die meisten Trausdorfer können sich nicht erinnern, ein solches Hochwasser schon einmal erlebt zu haben. Gegen Mittag stagnierte der Pegel der Wulka, sagte Gerhard Gebhart vom Wasserbauamt. Dennoch könne man für Trausdorf noch keine Entwarnung geben.
Bis zu 145 Liter Regen pro Quadratmeter
Die größten Regenmenge hat der Hydrographische Dienst im Südburgenland verzeichnet: So habe es zum Beispiel in Deutsch Kaltenbrunn von Dienstag auf Mittwoch bis zu 145 Liter pro Quadratmeter geregnet, sagte Herbert Sinowatz vom Hydrographischen Dienst. Das sei wirlich ein Rekordwert.

Im Nordburgenland lagen die Regenmengen in einzeilnen Gemeinden zwischen 80 und 100 Litern.
Hochwasser-führende Lafnitz. (Bild: FF Wallendorf)
Flüsse: Einige Bereiche "absolut kritisch"
An den Flüssen im Burgenland gebe es immer noch Bereiche, wo die Situation "absolut kritisch" sei, so Karl Maracek vom Hydrographischen Dienst. Der Wasserstand der Raab bei Neumarkt sei unverändert hoch, die Strem steige bei Heiligenbrunn noch weiter an. Auch die Lafnitz führe nach wie vor viel Wasser. An der Pinka wandere die Welle mittlerweile hinunter.

Nicht so dramatisch sei die Situation an der Rabnitz. Im Nordburgenland dürfte die Wulka hingegen im Raum Schützen noch steigen. Bei der Leitha lasse der Zufluss durch die Schwarza und die Pitten in Niederösterreich etwas nach, so Maracek.

Die Rückhaltebecken in Katzelsdorf und Lichtenwörth seien in Betrieb genommen worden, in Zillingdorf (Niederösterreich) betrage die Durchflussmenge 137 Kubikmeter pro Sekunde. Ab Mittag seien für das ganze Burgenland wieder Gewitter prognostiziert, allerdings noch ohne Angaben über die Niederschlagsmenge.
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